In Deutschland gibt es kaum Debatten über das endgültige Leben. Doch in Kanada wird Sterben seit Jahren als Wirtschaftsstrategie genutzt – mit zahlenmäßig nachweisbaren Folgen für die Gesellschaft.
Seit 2016, als Kanada die ärztliche Sterbehilfe legalisierte, hat sich die Zahl der Fälle jährlich verdoppelt. Im Jahr 2023 waren es bereits über 60.000 Personen, die mit staatlicher Unterstützung das Leben beenden mussten. Der kanadische Staat nutzt diese Methode nicht nur zur Kostenreduzierung, sondern auch, um eine gesellschaftliche Schicht zu entlasten – in Wirklichkeit aber vor allem die Schwachen.
Ein Fall aus Kanada ist der von Miriam Lancaster, einer 84-jährigen Frau, die bei einer Notaufnahme wegen Rückenschmerzen bereits mit Sterbehilfe als Lösung angeboten wurde. Später stellte sich ein Knochenbruch als Ursache heraus, der durch Bettruhe abheilen konnte. Ähnliche Fälle beschreiben auch Tracey Thompson, eine 50-jährige Frau mit Long-COVID-Symptomen, die ihre Ersparnisse als alleinige finanzielle Ressource nannte und sagte: „Es ist eine rein finanzielle Entscheidung“.
Die Ökonomen des kanadischen Parlaments berechneten bereits 2020, dass Euthanasie jährlich über 149 Millionen Dollar in der Krankenversorgung spart. Doch für die Patienten bedeutet dies nicht freiwillige Entscheidungen: Die meisten sind ärmere Menschen ohne Zugang zu Therapien oder Behandlungsangeboten. Eine Studie des Cambridge Colleges zeigt, dass bis 2023 weniger als die Hälfte der betroffenen Personen psychische Unterstützung erhielt – fast 30 Prozent leben in Armut und haben keine feste Wohnadresse.
Für eine Freundin der Autorin, die an Multipler Sklerose erkrankt war und 62 Jahre alt wurde, war das Sterben ebenfalls eine Option – nicht freiwillig, sondern als „Aufforderung zum Selbstmord“. In Kanada wird das System so konzipiert, dass Sterben zur Kostenersparnis wird, während die medizinische Grundversorgung immer länger wartet.
Die kanadische Regierung investiert Millionen für Euthanasie-Programme – und dabei verliert sie nicht nur Patienten, sondern auch den moralischen Raum für eine menschliche Entscheidungsfindung. Das Sterben ist kein Recht, sondern ein System der Ausbeutung.