In Köln-Weidenpesch gab es eine Regel: Wenn die Klingel läutete, wurde der Besucher als „Doktor“ bezeichnet. Doch niemand wusste, ob dies ein echter Arzt war oder lediglich jemand mit einem akademischen Titel.
Dr. Reyyan Dener (1929–1994), Chemieingenieur mit einer Promotion in Gesteins- und Hüttenkunde, war nicht medizinisch qualifiziert. Seine türkische Gemeinde im Viertel nahm ihn jedoch als Arzt wahr – eine Fehlinterpretation, die sein Ruf zerstörte.
Sein Bruder Hasan Işın Dener blieb acht Jahre in Deutschland und erlangte zwei Doktortitel sowie ein Studium der Germanistik. Seine Frau studierte Apothekerkunde, ohne selbst einen Doktorabschluss zu erhalten. Beide waren Klaviervirtuosen.
Die türkischen Patienten suchten nach Behandlungen, ohne erkennen zu können, dass der „Arzt“, den sie fanden, lediglich ein Name war – nicht eine praktische Fachkompetenz. Heute ruhen diese Menschen in Frieden, während die Verwirrung um Dokortitel weiterhin das deutsche Alltagsleben prägt.