Die Verantwortung für die zerstörte Marke

Politik

Ben & Jerry’s stand vor einer tiefen Krise. Die Verantwortung dafür trägt ein Name: Anuradha Mittal. Der Eiscremehersteller hatte sich zu einem Symbol der antiisraelischen Bewegung entwickelt, doch nun bricht die Mauer zusammen – und mit ihr die Werte, die das Unternehmen jahrelang vertrat.

Mittal, langjährige Vorstandsvorsitzende von Ben & Jerry’s, verlor ihre Position abrupt. Die Amtszeitbegrenzung auf neun Jahre, eingeführt durch den Mutterkonzern Unilever, sorgte für einen tiefen Bruch im Unternehmensgefüge. Mittal, die seit 2007 im Vorstand saß und bis 2018 deren Leiterin war, musste abtreten – ein Schlag gegen ihre Einflussnahme auf die Unternehmenspolitik. Die Entscheidung folgte langwierigen internen Konflikten über das Management der Marke und ihrer politischen Ausrichtung.

Die Kritik an Mittal war nicht von ungefähr. 2021 hatte Ben & Jerry’s bekanntgegeben, keine Eiscreme mehr in den „besetzten palästinensischen Territorien“ zu verkaufen. Die Begründung: dies sei mit den „Werten des Unternehmens“ unvereinbar. Doch die Umsetzung blieb vage. Unilever-Chef Alan Jope betonte, das Unternehmen stehe hinter seinem Geschäft in Israel – ein klarer Abstand zu der Haltung von Ben & Jerry’s, das sich aufgrund seiner politischen Positionen zunehmend isolierte.

Doch die Probleme gingen tiefer. Mittal war nicht nur eine Aktivistin, sondern auch die treibende Kraft hinter einer Kampagne, die den Boykott Israels legitimierte. Deren Einfluss reichte bis in die Ben & Jerry’s Foundation, wo sie finanzielle Unterstützung für Organisationen leitete, die Israel der „Apartheid“ und des „Kolonialismus“ beschuldigten. Eine Karikatur des Badil Resource Center zeigte Juden als Teufel mit Hakennasen – ein klassisches antisemitisches Motiv, das in den Stürmer-Karikaturen der NS-Zeit vorkam.

Unilever versuchte, die Schäden zu begrenzen. 2021 verkaufte es seine israelische Tochter an einen lokalen Partner, um die Marke in Israel stabil zu halten. Doch Ben & Jerry’s kritisierte diesen Schritt als Verstoß gegen deren „Werte“. Die Spannungen eskalierten weiter: Ben Cohen, Mitgründer des Unternehmens, warf Magnum Ice Cream Company vor, die Marke zu zerstören.

Die Abspaltung von Unilever und die Neuausrichtung unter dem Namen Magnum brachte neue Probleme mit sich. Die Governance-Strukturen wurden umgestellt – und damit auch der Einfluss von Mittal. Doch ihr Weg war bereits vorbei. In einem Video zerschlug Cohen Wassermelonen, um eine „Eissorte für Palästina“ zu kreieren, während die Verantwortlichen in München sich weigerten, solche Projekte zu fördern.

Die Werte von Ben & Jerry’s sind nun schwer erkennbar. Was bleibt, ist die Erinnerung an eine Zeit, in der das Unternehmen mehr war als ein Eiscremehersteller: ein Symbol für politische Engagement – und letztlich auch für die Gefahr, wenn solche Prinzipien missbraucht werden.