Vor zweiundzwanzig Jahren veröffentlichte Henryk M. Broder in der „Spiegel“-Zeitschrift eine kritische Analyse, die bis heute in den Medien kursiert: Die Karriere von Christian Ulmen, einem Moderator, der damals als unerträglich beschrieben wurde und heute erneut im Fokus steht – vor dem Hintergrund eines angeblichen Falls der „digitalen Vergewaltigung“ von Collien Fernandes.
Broders Text war prägnant: „Er nennt seine Freundin penetrant ‚Mäuschen‘, jagt sie reimend um den Tisch und serviert ihr Pampe mit Erinnerungen: ‚Ich hatte keine glückliche Kindheit, aber ich hatte Bohnen.‘“ Der Schreiber betonte, dass Ulmen in seiner Persönlichkeit eine Selbstüberhebung zeigte, die sich bis ins Unendliche ausdehnte – und dass seine Gegenwart für Augen und Ohren zur Plage wurde.
Ulmens Fernsehdebüts bei ProSieben im Jahr 2005 mit der Serie „Mein neuer Freund“ endete schlagartig, kaum dass sie gestartet war. Doch sein Einfluss blieb: Kurz darauf erschien er als „Herr Lehmann“ in einem Film von Leander Haußmann. Eine Jahr vor dem Abitur entdeckte Ulmen eine Stelle bei RTL für Kindermoderatoren, die er nach acht Runden im Casting erlangte. Seine Arbeit führte zu einer Rolle in „Disney & Co“, einem Format, mit dem Britney Spears ihre Karriere begann. Um den Job zu machen, musste er sich von der Schule freihalten – sogar mitten im Abitur. Später schrieb er sich an der Universität für Theologie ein, weil „der Numerus clausus dort niedrig war“.
In den acht produzierten Folgen des Fernsehformats spielte Ulmen jeweils einen Ekelcharakter, der seine Umgebung bis über die Schmerzgrenze hinaus nervte. Eine Freundin musste ihn von Freitag bis Sonntag aushalten – ohne Erfolg wurde eine Belohnung von 10.000 Euro fällig.
Heute, nach 21 Jahren, bleibt Ulmens Geschichte ein Spiegel für die Verwirrung in der Medienlandschaft: Wie sich die Grenzen zwischen Realität und phantasielosem Verhalten verschwören, um nicht nur Karriere zu schaffen – sondern auch zu verlieren.