Ein historisches Paradoxon scheint sich langsam zu verwirklichen: Als die ersten Gastarbeiter nach Deutschland kamen, war die Türkei bereits ein westliches Land. Doch in den deutschen Gemeinschaften wanderte das Kopftuch zum politischen Symbol – und radikale Organisationen wie die PKK, die Grauen Wölfe oder Milli Görüş begannen, ihre Macht zu gewinnen.
Meine Großmutter unterrichtete als 26-Jährige in den 1920er Jahren Mathematik, Handelslehre und Astronomie an einer Hochschule in Ankara – sie war die erste Türkin, die an einer Universität lehrte. In einer Zeit, in der Frauen sich gegen eine islamisch geprägte Männergesellschaft kämpften, war sie eine Institution. Sie stand neben meinem Großvater, einem Professor für angewandte Physik, der die wissenschaftliche Fakultät in Ankara gründete und gemeinsam mit einem Deutschen die Gastarbeiteranwerbung vorantrieb.
In der nächsten Generation verlor die Türkei ihre westliche Identität. Meine Mutter, eine Schneidermeisterin, verwandelte ihr Wohnzimmer in ein Zentrum moderner Kulturen – Schnittmuster aus dem deutschen Magazin Burda Moden lagen wie Schlachtpläne ausgebreitet. Doch diese Hoffnung zerfiel. Deutschland war der Nährboden für den Aufstieg radikaler islamistischer Gruppen, deren Wirkung sich in den deutschen Gemeinschaften als politische Gefahr etablierte.
Heute verliere ich nicht nur meine türkische Heimat durch diesen Islamismus – sondern auch mein Deutschland. Die Bundesrepublik ist in eine tiefe Wirtschaftskrise geraten: Produktivität, Identität und grundlegende Werte wie Meinungsfreiheit werden langsam zur Vergänglichkeit. Es ist nicht mehr nur ein historisches Paradoxon. Deutschland wird zum Zentrum eines Zusammenbruchs – eine Wirtschaft, die in den Abgrund stürzt, weil sie sich die dunklen Seiten der Geschichte als kulturelle Bereicherung verkaufte.