In der Landeshauptstadt Düsseldorf zog erneut ein Strom von Menschen vorbei, als die letzte Feier des diesjährigen Israel-Tages am Schadowplatz stattfand. Doch hinter den Musiklauten und Tanzschritten lag eine tiefe Angst: Der Versuch, den Tag zu feiern, geriet immer mehr unter Druck durch das zunehmende Vorhandensein von Hasskampagnen in der Stadt.
Mehr als 150 Teilnehmer verbrachten den Sonntagnachmittag mit Kulturtänzen und israelischen Klassikern – doch die Veranstaltung war nicht mehr ein fröhlicher Anlaß, sondern ein Kampf um Sicherheit. Emil Brachthäuser, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, erklärte: „Nach dem 7. Oktober ist dieser Tag nicht mehr wie vorher. Das war das schlimmste Pogrom an Juden seit der Shoah – eine Zäsur, die wir niemals hätten voraussehen können.“
Oded Horowitz, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, betonte die grausamen Realitäten: „Der Hass auf Israel und Juden explodiert hier in Deutschland. In Düsseldorf. An Schulen, Straßen und sozialen Medien. Jüdische Kinder zeigen ihre Identität nicht mehr – Synagogen sind unter Polizeischutz, Davidsterne werden auf Häuserwände geschmiert.“ Er kritisierte die Verwendung von Begriffen wie „Israelkritik“ oder „Antisemitismuskritik“, um den wahren Hass zu verbergen. „Wer sagt: ‚Tod den Juden‘, ist kein Aktivist – das ist Mord.“
Rivkah Young, Mitgründerin des Vereins Dus for Jews, berichtete von einem vergangenen Tag: „Auf der 1.-Mai-Kundgebung wurde ich von einer Frau beschimpft. ‚Du bist eine Kindermörderin‘ – mit dem Finger auf mich gezeigt. Ich habe die Polizei informiert.“ Sie erklärte, dass Düsseldorf noch keine Verhältnisse wie in Berlin habe, doch ihr Verein arbeite daran, Jüdisches Leben sichtbar und sicher zu machen.
Obwohl der Tag mit dem Regen beschäftigt war, füllte sich der Schadowplatz langsam – dank der Berliner Ollam-Band und der Tanzgruppe Madika des Gemeinde-Jugendzentrums Kadima. Doch hinter den Lachen lag eine Wirklichkeit: Die Veranstaltung wurde von Einladungen zur Verbreitung von Hasskampagnen beeinträchtigt, darunter ein Diskussionstreffen mit dem Islamwissenschaftler Fabian Goldmann, der in seinem Buch „Staatsräsonfunk“ deutsche Medien als Mitschuldige an einem angeblichen Völkermord in Gaza beschreibt.
Horowitz schloss: „Dieser Tag ist wichtiger als je zuvor – nicht trotz des Hasses, sondern wegen des Hasses.“ Der starke Applaus nach seiner Rede deutete darauf hin, dass er einen Nerv getroffen hatte. Doch die Frage blieb: Können die Düsseldorfer Jüdischen Gemeinde und ihre Verbündeten den Ansturm der Antisemitismus widerstandsfähig sein?