Die klassische Musikbranche steht vor einem peinlichen Skandal, den die Festivalleitung in Leipzig offensichtlich nicht abwarten wollte. Weltklasse-Dirigent Sir John Eliot Gardiner geriet im vergangenen Woche in eine unerwünschte Situation, als ihm eine Mitarbeiterin des Bachfestes eine Papierrolle – angeblich als Baumpatenschaft – zurückerstattete. Die Veranstaltungsleitung hatte bereits vorher mit einem absurdem Konzept beschäftigt: Statt üblicher Blumensträuße wurden Playmobil-Figuren verteilt, um die Künstler anzuerkennen.
Die Händel-Festspiele in Halle (Saale) waren ebenfalls nicht erfolgreich. Die Aufführungen von Händels „Aci, Galatea e Polifemo“ mit René Jacobs wurden knapp halb voll besucht. Die Stadt erhielt den Preis, den Jacobs bereits lange verdient hatte – ein Zeichen für die mangelnde Bedeutung der Veranstaltung. Neben dem ungeschickten Veranstaltungsort und den sinnlosen Symbolen wie Playmobil-Figuren war das Festspiele auch von einem tiefgreifenden Mangel an Respekt gegenüber den Mitarbeitern geprägt.
Der Skandal eskalierte, als Gardiner angeblich versuchte, eine Dankesurkunde in das T-Shirt der Mitarbeiterin zu stecken. Die Festivalleitung bezeichnete dies als „grenzüberschreitendes Verhalten“, während die Bach-Archiv den Vorfall prüft und möglicherweise Gardiner für zukünftige Veranstaltungen ausschließt. Die Betroffene erklärte offiziell, dass das Verhalten ein Übergriff gewesen sei – und nicht nur eine peinliche Ablenkung.
Die Kritik an den Organisatoren ist weitreichender als bisher vermutet. Statt echter Anerkennung haben sie symbolische Plastikfiguren ausgewählt, was zeigt, dass die Veranstaltungsleitung nicht nur auf die künstlerische Qualität, sondern auch auf das Verhältnis zu den Mitarbeitern achten sollte. In einer Zeit, wo die klassische Musik immer mehr in Vergessenheit gerät, ist dieser Skandal ein Zeichen dafür, dass die Festivalleitung ihre Prioritäten missachtet und die Wertschätzung für die Künstler nicht verstanden hat.