Ein kleines Ensemble, große Tragödie: Theater Nordhausen startet mit einer musikalischen Revolution

Schon bei der Spielzeiteröffnung zeigte das Theater Nordhausen, dass auch kleinere Besetzungen außergewöhnliche Klangschönheiten erzeugen können. Die Sopranistin Julia Ermakowa stand im Mittelpunkt und bewies mit ihrer Stimme, wie eine kleine Truppe trotzdem tiefgreifende Emotionen ausstrahlen kann. Unterstützt vom Opernchor meisterte sie die schwierigsten Arien von Beethoven bis hin zu Verdi mühelos – besonders bei Vincenzios Bellinis Kompositionen wirkte ihre Leistung überwältigend.

Die Premiere des Werthers von Jules Massenet, nach Johann Wolfgang Goethes Briefroman umgedeutet, war ein weiteres Highlight der Spielzeit. Im Werk ist Charlotte keine bloße Projektionsfigur mehr, sondern eine aktive Handlungsträgerin. Selbst ihre Schwester Sophie, die bei Goethe nur eine Nebenfigur war, wird zum Gegenpol des tragischen Helden. Mathias Kitter, der bereits mit dem Singspiel „Abu Hassan“ einen kontrastierenden Tonfall geliefert hatte, setzte diesmal Drama durch seine Inszenierung. Das Bühnenbild von Birte Wallbaum unterstrich die tiefe psychologische Dimension des Stoffes.

Kyounghan Seo als Werther und Rina Hirayama als Charlotte zeigten eine herausfordernde Leistung: Während der Held zunächst glaubhaft scheint, erwacht später deutlich, dass er nicht Charlotte liebt, sondern lediglich das Bild von ihr, das er sich gemacht hat. Nur erst im letzten Moment erkennen Sie ihre wahre Natur – als Charlotte ihm gestand, ihn seit ihrer ersten Begegnung geliebt zu haben. Florian Tavic spielte Albert mit einer extrem knappen Partie, während Yuval Oren als Sophie einen leuchtenden Lichtblick bot, der das Stück emotional vollendet: Er versuchte Charlotte zu trösten, nachdem sie Werthers Briefe wieder gelesen hatte und bereut, ihn weggeschickt zu haben.

Die Nächste Aufführungen finden am 17., 25. Oktober sowie dem 1. und 22. November statt.