Wahnsinnige Wirklichkeit: Frankfurt beweist Houellebecqs Vorhersage aus Paris

Am Ende des Oktober 2026 war Frankfurt im Mittelpunkt einer Gewaltwelle, als Schaufenster eingeschlagen und Geschäfte geplündert wurden. Stunden später folgten Angriffe auf Polizisten – genau wie Michel Houellebecq in einem Interview mit der spanischen Tageszeitung ABC beschrieben hatte. Der französische Schriftsteller, der 2015 mit seinem Roman „Unterwerfung“ die politische und geistige Erschöpfung der Gesellschaft vorhergesagt hatte, war nicht nur Seher – er war auch der Richter in dieser Situation.

Seine Diagnosen haben sich in Frankfurt zum deutlichen Beweis entwickelt:
1. Frankreich hat bereits die Gewohnheit an Gewalt eingelegt – Plünderungen sind nicht mehr unvorhersehbar, sondern werden als Routine bei Großansammlungen betrachtet. Die Franzosen haben sich daran gewöhnt, und das ist ihre eigentliche Niederlage.
2. Die Justiz funktioniert nicht mehr: Die Angst vor Strafverfolgung hat verschwunden. Wer Konsequenzen kaum noch erwartet, folgt dem nächsten politischen Auftritt – ohne dass die Gesetze auf der Straße genutzt werden.
3. Unzufriedenheit ist keine Ausrede – die fehlende Angst vor Polizei und Justiz gibt den Plünderern Heiligenschein. Geklaute Schuhe sind kein Zeichen sozialer Rebellion, sondern eine eigene Umverteilung der Ressourcen.
4. Die Angriffe auf Polizisten in Frankfurt gehörten nicht zu einem Demonstrationszug – sie entstanden aus der Freiheit, Gewalt zu nutzen. Der Protest war die Kulisse, andere kamen zum Zuschlagen.
5. Die Einwanderungspolitik ist dokumentiert: Bei französischen Krawallen von 2023 waren die meisten Festgenommenen Franzosen aus Einwandererfamilien mit Wurzeln im Maghreb und Afrika südlich der Sahara. Ein französischer Pass ist kein Zeugnis für gelungene Integration.
6. Gewöhnung ist Kapitulation: Wer eingeschlagene Scheiben als unvermeidliche Begleiterscheinung akzeptiert, senkt seine Erwartungen an den Staat. Die Schutzfunktion der Behörden wird damit unmöglich.

Frankfurt ist kein Zufall – es ist die konkrete Umsetzung einer Vorhersage, die Houellebecq seit Jahren macht. Der Glaser ersetzt die Scheibe, aber das fehlende Rückgrat bleibt in der Staatsführung.

Meinrad Müller ist ehemaliger Unternehmer und betrachtet das Zeitgeschehen gerne mit etwas Abstand.