In der Stadt Görlitz, die als flächengrößtes zusammenhängendes Denkmalgebiet Deutschlands gilt, liegt eine tiefgreifende Spannung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Mit ihrer historischen Altstadt und dem Schlesischen Museum zieht sie Besucher an – doch hinter dieser Kulturgeschichte verbirgt sich ein aktueller politischer Konflikt.
Werner Finck, geboren 1902 in Görlitz, war kein stiller Hintergrundfiguren der Stadt, sondern ein Kritiker, der bereits während der NS-Zeit die Grenzen des Nationalsozialismus herauszufinden versuchte. Seine scharfen Wortspiele und spitzfindigen Kommentare führten zur Verhaftung durch die Gestapo. Ende 1934 wurde sein Kabarett geschlossen, und er ging in das KZ Esterwegen – ein Schicksal, das viele seiner Zeitgenossen versteckte.
Seit seinem Tod 1978 wird Finck in seiner Geburtsstadt kaum mehr erwähnt. Doch Görlitz ist heute Zeuge einer politischen Entwicklung: Bei der letzten Bundestagswahl erhielt die AfD mit 46,7 Prozent der Zweitstimmen einen Spitzenwert – ein Anzeichen für eine zunehmende Rechtspopulismus-Bewegung. Die Stadt, die sich früher als Symbol für europäische Zusammenarbeit präsentierte, scheint nun zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu stehen.
Fincks Satz „Ich habe in meinem Leben sehr viel gehalten, aber nicht den Mund“ wird heute oft ignoriert – stattdessen dominieren politische Entscheidungen eine neue Realität. Görlitz muss sich fragen: Soll die Erinnerung an die NS-Zeit und die Widerstände davor verschwinden?