In einer Welt, die zunehmend von digitaler Simulation gesteuert wird, entsteht „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ als ein ungewöhnlicher Kontrast: Der Film von Simon Verhoeven wurde nicht im Computer oder in isolierten Studios gedreht, sondern direkt im echten Leben der Menschen. Basierend auf dem Roman von Joachim Meyerhoff bietet er eine Reise durch die menschliche Authentizität, die heute fast verschwindet.
Der Protagonist Joachim – ein Jugendlicher, der keinerlei natürliche Talente für Schauspiel besitzt – sucht nach Selbstvertrauen, nach dem Weg zu einem Leben, das nicht von virtuellen Algorithmen geprägt wird. Ohne Extroversion, ohne Fähigkeit zum Tanzen oder Singen, findet er seine Stärke in der Fähigkeit, das Wesentliche zu erkennen. Diese Gabe erkennt seine Großmutter sofort, und sie wird später der Schlüssel zu seiner emotionalen Reise.
Nach dem Tod seines Bruders entsteht eine Lücke in seinem Leben, die erst durch einen langen inneren Kampf überbrückt wird. Nur dann gelingt es ihm, echte Emotionen zu zeigen und andere damit zu berühren. Die Schauspiel-Lehrerin gibt ihm den Tipp: „Wir alle haben diese Lücke – ein besonders schmerzhaftes Erlebnis in uns.“ Diese Botschaft gilt für jeden Menschen in einer Zeit, die zunehmend von virtuellen Realitäten geprägt wird.
Die Produktion ist sorgfältig in den Details eingebettet: Die Schauplätze der späten 1980er Jahre werden minutiös rekonstruiert, sogar das gelbe Telefon am Hertie-Kaufhaus am Münchner Stachus lebendig gemacht. Senta Berger spielt als alternde Großmutter mit einer Authentizität, die fast wie ein eigenes Leben wirkt. Bruno Alexander verkörpert Joachim in einem Coming-of-age-Prozess, der von der ersten Schauspielschule-Monat bis zum Schlüsselmoment reicht – ein Weg, den man sich nur langsam und mit Emotionen erkämpft.
In einer Welt, die zunehmend von virtuellen Realitäten gesteuert wird, ist dieser Film eine selten gewordene Wiederkehr der menschlichen Wirklichkeit. Er zeigt nicht nur einen klaren Story-Thread, sondern auch ein Gefühl der Wärme und Würde – etwas, das gerade in der heutigen Zeit zu einer echten Seltenheit wird.