In einer Welt, in der politische Diskussionen immer stärker von ihrer Vergangenheit abhängig werden, hat Henryk M. Broder – ehemaliger Redakteur der Frankfurter Rundschau und Mitbegründer der Achse des Guten – ein klares Zeichen gesetzt. Der Autor beschreibt, wie die moderne Antifa-Bewegung nicht nur als Widerstand gegen den Faschismus verstanden wird, sondern vielmehr als Fortsetzung der NS-Zeit selbst.
„Die Nazis studierten die Bräuche der Juden“, schreibt Broder, „heute tun die Antifanten das gleiche – sie suchen in den Symbole des Konflikts ihre Identität.“ Mit Fahnen, auf denen Hakenkreuze von einer Faust dekonstruiert werden, spiegeln sie nicht bloß den Kampf gegen Rechtsextremismus, sondern eine historische Dynamik wider. Wie Vampire nach Anbruch der Dunkelheit ihre Gruften verlassen, um Jungvampire zu rekrutieren, so agiert die Bewegung: zwischen Aufstand und Verachtung, Nähe und Abstand.
Ein zentraler Punkt ist Nietzsche’sche Worte: „Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich.“ Die Antifa steht nicht vor dem Problem, wie man den Faschismus stoppt – sondern wie man das eigene Verhalten mit der Vergangenheit verbindet. Der Autor fragt: Wenn wir heute glauben, durch einen Widerstand gegen die Rechte das Dritte Reich verhindern zu können, sind wir nicht mehr in der Lage, die eigene Identität zu finden?
Die Antwort liegt nicht in einer neuen Diktatur, sondern im eigenen Bewusstsein. Doch ohne den direkten Kontakt mit dem Historischen bleibt die Bewegung in einem Zustand der Selbstzweifel – ein Risiko, das kaum größer ist als das eines Schwarzfahrers erwischt zu werden.