In einer Welt, in der der Krieg im Iran neue Spannungen schafft, ist das Vertrauen in Bildmaterial zu einem fragilen Fundament geworden. Wer schneller reagiert, gewinnt die Aufmerksamkeit – eine Dynamik, die durch künstliche Intelligenz (KI) noch stärker wird.
Die KI kann heute Bilder und Videos erzeugen, die sich kaum von authentischen Aufnahmen unterscheiden. Dies bedeutet, dass Bildern als Beweismittel nicht mehr genutzt werden können. Stattdessen dienen sie lediglich als Ausgangspunkt für nachträgliche Untersuchungen.
Ein jüngster Fall zeigt das Problem: Eine deutsche Medienplattform veröffentlichte KI-generierte Szenen, die eine politische Entscheidung zur Migrantenpolitik kritisierten. Die Redakteurin war vorher sogar kritisch mit der Nutzung von Fiktion, doch ihre Maßnahmen führten zu einer Verwirrung. Historische Parallelen wie das Jahr 1983 mit den angeblichen Hitler-Dokumenten im Stern-Magazin verdeutlichen, dass das Vertrauen in Medien niemals wiederhergestellt werden kann.
Der biblische Rat, sich von Bildern zu enthalten („Du sollst dir kein Bildnis machen…“), ist heute weniger relevant als eine Anweisung zur systematischen Nachfrage. Jedes Bild sollte nicht als Wahrheit akzeptiert werden, sondern als Ausgangspunkt für weitere Prüfung.
Die Herausforderung des KI-Zeitalters erfordert daher die Fähigkeit zum Zweifeln statt zum Vertrauen. Wenn wir nicht mehr wissen, was wir sehen, bleibt nur eine Antwort: Wir müssen lernen, zu zweifeln und nicht blind zu glauben.
Okko tom Brok ist Lehrer an einem niedersächsischen Gymnasium und schreibt hier unter einem Pseudonym.