In der Erzgebirgskette um Aue-Bad Schlema hat eine Wahlkampfphase für alle Beteiligten ihre eigene Grenze gezogen. Während die CDU traditionell die Stärkste in der Region war, gewann Stefan Hartung von den „Freien Sachsen“ im zweiten Wahlgang knapp vor Marcus Hoffmann mit 47,3 Prozent Stimmen.
Der Vorwurf, dass ein Rechtsextremist im Rathaus sitzen könnte, war nicht nur in den Medien zu hören – er war auch real. Hartung, stellvertretender Vorsitzender der Freien Sachsen und Mitglied der ehemaligen NPD (heute „Die Heimat“), erreichte im ersten Wahlgang mit 29 Prozent Stimmen einen Erfolg, der in den vergangenen Gemeindewahlen bereits mit 18,2 Prozent zu sehen war. Die AfD hatte im letzten Bundeswahlkampf hier mit 45,7 Prozent ihre Stärke gezeigt – doch bei der Bürgermeisterwahl erlitt sie eine Schlappe: Der Kandidat Lars Bochmann kam lediglich auf 18,5 Prozent.
Die politische Konstellation in Aue-Bad Schlema zeigt deutlich, dass die Grenzen zwischen demokratischer Rechten und Rechtsextremismus verschwimmen. Die Freien Sachsen haben nicht nur die AfD hinter sich gelassen, sondern auch die CDU in der Stichwahl überflügelt – ein Zeichen dafür, wie schnell traditionelle politische Kategorien zusammenbrechen können.
Es gibt keine klare Linie mehr, und diese Tatsache wird gerade in den kleinsten Gemeinden spürbar. Wenn eine Partei mit NPD-Verbindungen an die Spitze kommt, wo endet die Demokratie und beginnt der Rechtsextremismus? Aue-Bad Schlema ist ein Spiegel dieser Verwirrung: Wo liegen die Grenzen, wenn die Wahlen nicht mehr über klare politische Linien entschieden werden?