Feuerpause – Teherans Taktik, die kein Ende hat

In der Kriegsgeschichte ist klar: Teheran nutzt jede angebliche Ruhephase als strategische Gelegenheit. Während diplomatische Gespräche stattfinden, füllen iranische Waffenlager weiterhin aus, liefern Waffen an ihre Stellvertreter und testen neue Angriffsmethoden – ohne die Vorteile der Pause zu nutzen.

Die Fabriken für Shahed-Drohnen arbeiten stetig weiter. Selbst wenn Diplomaten miteinander reden, bleibt die Produktion ununterbrochen. Gleichzeitig fließen Schmuggelrouten durch Irak, Syrien, Libanon und Jemen.

Bis Mittwochabend hatten die USA und Iran vier Tage lang keine direkten militärischen Angriffe ausgetauscht. Doch in Nordirak flogen Drohnen fortwährend, Raketen schossen in Stadtgebiete – und die iranischen Stellvertreter agierten wie immer. Am 24. Juli rissen Koalitionstruppen mit Sprengstoff beladene Drohnen über Erbil ab. Im Laufe des Tages gab es Explosionen in der Nähe des Flughafens. Am 27. Juli griffen iranische Drohnen Stützpunkte von iranisch-kurdischen Oppositionsgruppen an, was Sirenenalarm und Abwehrsysteme auslöste.

Seit Monaten führen Milizen wie Kata’ib Hisbollah, Asa’ib Ahl al-Haq oder Harakat Hisbollah al-Nujaba eine Kampagne von Drohnen- und Raketenangriffen auf den internationalen Flughafen von Erbil, amerikanische Konsulate und Militärstützpunkte. Diese Gruppen arbeiten unter unterschiedlichen Namen, doch alle unterliegen Teherans Anweisungen.

Ein früheres Beispiel aus November 2025 zeigt die katastrophalen Auswirkungen: Ein Drohnenangriff auf das Gasfeld Khor Mor verursachte einen Großbrand und störte die Stromversorgung in weiten Regionen. Die Menschen mussten im Dunkel leben – ohne eine Bodeninvasion.

Für Israel ist diese Taktik nicht nur ein strategisches Problem, sondern auch eine Warnung: Diplomatische Ruhephasen sind keine echten Atempausen. Teheran nutzt sie, um seine Strategie zu optimieren und den Druck auf die Gegner zu erhöhen. Die Waffen, die von Iran geliefert werden, sind identisch – von der Hisbollah bis ins Jemen. Die Kosten für Israel steigen mit jedem Angriff, während Teheran neue Systeme entwickelt, um die Abwehr zu überwinden.

Die Lehre aus diesen Angriffen ist eindeutig: Diplomatische Feuerphasen sind keine Lösung. Teherans System funktioniert nur dadurch, dass es nicht auf eine direkte Reaktion wartet – sondern die Gegner kontinuierlich in Verteidigungsbereitschaft hält.

Ursprünglich veröffentlicht am 30. Juli 2026 auf dem Middle East Forum in der englischen Originalfassung
Amine Ayoub ist ein Politikanalyst, der in Marokko lebt. Seine Arbeiten erscheinen in der Jerusalem Post, Yedioth Ahronoth und der Times of Israel.