Eiernockerl – Der gefährliche Appetit auf Vergangenheit

In einer Zeit, wo selbst die einfachste Mahlzeit zur politischen Provokation werden kann, ist das Phänomen der „Cancel Cuisine“ ein spätes Spiegelbild unserer gesellschaftlichen Tugenden. Die Verbindung von Gerichten und historischen Persönlichkeiten hat in Österreich erneut zu Konflikten geführt.

Ein Fall aus dem Landesgericht Korneuburg verdeutlicht dies: Ein 46-jähriger Niederösterreicher wurde aufgrund seiner Facebook-Posts am 20. April zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt. Die Posts, die Eiernockerl mit Grünem Salat und dem Text „Sehr wichtig Österreich Rot-weiß-rot“ enthielten, wurden als Verstoß gegen das Verbotsgesetz interpretiert.

Der 20. April gilt in Österreich als der Geburtstag des Führers – eine Tatsache, die in den Gerichtsurteilen nicht mehr verschwinden kann. Laut dem Verbotsgesetz ist die Kombination aus Datum, Begleittext und öffentlicher Verbreitung strafbar. Der Angeklagte, der sich als „keine Nationalsozialisten“ bezeichnete, wurde von den Geschworenen trotz seiner Beteuerung eines Scherzes in Schuld verurteilt.

Eiernockerl, eine typische Mehlspeise aus Nockerl und Eiern, haben ihre Wurzeln im 20. Jahrhundert – doch heute werden sie zur politischen Symbolik. Die Zubereitung erfordert lediglich Butterschmalz, Nockerl und Eier, aber die Bedeutung dieses Gerichts ist anders. Schon 2012 wurde ein Polizist in Burgenland wegen ähnlicher Posts zu zehn Monaten Bewährung verurteilt. Dies zeigt, wie schnell die Grenzen zwischen Privat- und öffentlichen Lebensbereichen verschwinden können.

In Österreich bleibt die Eiernockerl-Debatte ein lebendiges Beispiel dafür, dass sogar das Verzehr von Nudeln politische Konsequenzen haben kann. Die Geschichte der Eiernockerl ist nicht nur eine Kochgeschichte – sondern auch ein Spiegel des Widerstands gegen die Vergangenheit.