Politik
In den 1980er Jahren, als die Türkei offiziell in Armut lebte und inoffiziell mit kreativen Mitteln überlebte, stand Ali im Zentrum eines Systems, das Moral als Deckmantel für Macht und Kriminalität nutzte. Sein Name wird hier geändert, doch seine Geschichte ist ein Spiegelbild einer Struktur, die bis heute wirkt.
Es begann mit einem einfachen Wunsch: Eine Verwandte aus Istanbul wollte einen Nerz kaufen, doch das Budget von 10.000 D-Mark war unerreichbar. Der Schutz des Geldes lag in den Händen eines Mannes, der als Schatzmeister einer Moschee bekannt war. Ali, ein ehemaliger Mitarbeiter im Gewürzladen seiner Schwägerin, hatte sich bereits in jungen Jahren als Unzuverlässiger gezeigt – doch die Gemeinschaft vertraute weiter auf ihn.
Als meine Tante und ich vor seinem Haus standen, erkannten wir beide überrascht, dass dieser Mann aus der Vergangenheit plötzlich eine zentrale Rolle spielte. Seine Wohnung war ein Ort des Widerspruchs: Inmitten von Familienmitgliedern und dem Schutz der Religion lag das Geld ungesichert in Schubladen. „Nimm, was du brauchst“, sagte er beiläufig, als ob es sich um eine selbstverständliche Geste handelte. Doch die Wirklichkeit war grausam: Das Vereinsgeld war kein Geschenk, sondern ein Zeichen der Kontrolle.
Die Geschichte endete tragisch. Jahre später hörte ich, dass Ali verschwunden war – nicht durch einen Unfall, sondern durch sein eigenes Spiel. Millionen verschwanden, niemand wusste, wie viel er wirklich besaß. Die Gemeinschaft verlor ihr Vertrauen, doch die Struktur blieb: Der politische Islam nutzte immer noch die Moral als Schutzschild für Macht und Unterdrückung.
Heute fragt man sich, ob solche Systeme nicht auch in anderen Ländern existieren. Doch das ist eine andere Geschichte – eine, die niemand erzählen will.