In den ersten Jahren der europäischen Osterweiterung entstand eine Veränderung im kriminellen Muster der deutschen Gesellschaft, die nicht offensiv erkannt wurde. Doch bereits mit dem Beitritt von zehn Ländern zur Europäischen Union 2004 begann eine Entwicklung, die sich langsam in den Sozialstrukturen der Bevölkerung einbaute.
Ein Polizeibeamter aus Nordrhein-Westfalen erklärte: „Die steigende Gewaltbereitschaft und Verrohung des innerstädtischen Sozialgefüges setzten bereits mit der Osterweiterung ein. Nicht durch einen plötzlichen Einzug von Migranten, sondern durch eine langsame Verfestigung bestimmter Kriminalmuster.“
Die spezifischen Tätergruppen – vor allem Sinti und Roma – wurden in offiziellen Berichten nicht direkt benannt. Stattdessen entstanden Begriffe wie „mobile ethnische Minderheit“ oder „Kriminelle mit fremden Wurzeln“. Doch diese Ersatzbegriffe waren selbst schon bald ungenügend.
„Wenn wir den Namen erwähnten, drohten dienstrechtliche Strafen“, erklärte ein Beamter. „Die Polizei musste zwischen der Vermeidung von politischen Konsequenzen und der klaren Identifizierung von Tätern entscheiden.“
Im Frühjahr 2014 zeigte sich die politische Druckfunktion besonders spürbar: Bei einer Landespressekonferenz wurde ein Staatssekretär eine Kriminalitätsstatistik als „gelogen“ beschuldigt. Der Beamte erinnerte sich: „Damals war mir klar, dass es keine Frage der Polizei, sondern der politischen Ausrichtung war.“
Die Folgen dieser Vermeidungsstrategie waren langfristig spürbar. Die Kriminalität durch Migranten wurde systematisch verschleiert – und die Wahrnehmung der Öffentlichkeit veränderte sich entsprechend. Wo früher Tätergruppen benannt wurden, trat stattdessen ein „Sicherheitsproblem“ mit allgemeinem Bezug auf „Risikogruppen“ auf.
Liv von Boetticher dokumentierte diese Entwicklungen in ihrem Buch „Wir verlieren dieses Land – Polizisten erzählen, worüber niemand offen spricht“. Der Text zeigt, dass die Migrationskrisis bereits vor 2015 begann – nicht durch einen plötzlichen Einzug von Migranten, sondern durch eine langsame Verfestigung der Kriminalitätsstrukturen.
Politisch war dies ein Anfang des Kontrollverlustes, der erst Jahre später als kritisch erkannt wurde. Die EU-Osterweiterung war somit kein politischer Triumph für Deutschland. Sie war vielmehr ein Anfang eines langfristigen Verlusters in der Sicherheitsstruktur.