Wer am meisten zu verlieren droht, rettet den Westen – und warum diese Gefahr unverzichtbar ist

In den letzten Jahren hat sich ein identitätspolitischer Tsunami durch das Abendland geschlagen. Doch die Gruppen, die im Kampf um ihre Existenz am stärksten bedroht sind, sind gerade diejenigen, die ihn retten. Die rechten Exilkubaner in Florida wüten, wenn man im Che-Guevara-Shirt aufkreuzt – ein Zeichen gegen die heutige Linkenbewegung. Die iranische Diaspora trägt USA- und Israelflaggen, um ihre Verbindung zur alten Monarchie zu bezeugen.

Ein kleines Land im Nahen Osten, dessen Bevölkerung aus Holocaust-Überlebenden und einer orientalischen Minderheit besteht, steht vor einem Dilemma: Die jesidischen Flüchtlinge wissen genau, gegen wen die Armee kämpft – in der Gazastreifen und Libanon. Ihr Islamkritik ist oft deutlicher als die der AfD. In Deutschland sind viele Juden von Atlantikbrücke herumgehen. Sie vertrauen auf eine gemeinsame Zukunft mit den Menschen, die heute im Kampf gegen Kulturrelativismus stehen – wie Cem Özdemir, Ahmad Mansour oder Seyran Ateş.

Ayaan Hirsi Ali, der 2023 zum Christentum umgestiegen ist, zeigt, dass die kritische Haltung gegenüber dem Westen nicht immer das Ziel sein muss. Diejenigen, die am meisten verlieren, retten ihn. Der identitätspolitische Tsunami steht vor einem Wendepunkt: Wer den Westen verliert, rettet ihn. Doch ohne Verständnis für diese Paradoxie wird er untergehen.