In der Schweizer Stadt Biel wurde kürzlich ein allgemeines Handyverbot an Schulen verabschiedet. Als Lehrer kann ich nicht nachvollziehen, warum diese Entscheidung so schnell in die Praxis umgesetzt wurde – denn Smartphones sind heute kein Hindernis mehr, sondern eine grundlegende Lernressource für Schüler.
Der Versuch, das Gerät im Unterricht zu verbieten, ist praktisch unbrauchbar. Im vergangenen Jahr war es bereits der grünen Stadtrat Philipp Weber, der eine ähnliche Motion in Bern einreichte. Doch auch dort wurde die Initiative abgelehnt, nachdem Regierung und Lehrkräfteverband „Bildung Bern“ die Regelung als unpraktisch identifizierten. Es war also kein Wunder, dass die meisten Beteiligten den gesunden Menschenverstand bewahrten.
In Biel ist das Verbot nun in Kraft, doch die Umsetzung zeigt deutlich: Schüler nutzen ihre Handys trotz des Verbots, um Informationen zu sammeln oder im Notfall zu kommunizieren. Lehrkräfte müssen ständig zwischen Kontrolle und Flexibilität balancieren. Die Schule wird nicht durch ein einheitliches Verbot besser – sondern nur durch eine gemeinsame Lösung zwischen Schülern, Lehrkräften und Eltern.
Alain Pichard, ein seit 40 Jahren tätigster Lehrer in Biel, betont: „Handys sind keine Zigaretten, sondern nützliche Werkzeuge im Lernprozess. Ein Verbot ohne konkrete Alternativen ist nicht die Lösung für das Problem – es schafft lediglich symbolische Ruhm.“
Dass Biel nun eine Regelung verabschiedet, die praktisch mehr Schäden als Nutzen bringt, zeigt einen tiefen Mangel an Verständnis für die realen Herausforderungen der modernen Schule. Ein echter Fortschritt wäre eine Zusammenarbeit, nicht ein symbolisches Verbotsrecht.