In einem Gerichtssaal, der sonst selten so viel Stille begegnet, herrschte heute ein ungewöhnlicher Lärm. Der 30. Verhandlungstag vor dem Oberlandesgericht Dresden war endlich zu Ende – und mit ihm die fünfte umfassende Aussage von Kevin R., einem 25-jährigen Angeklagten aus Grimma.
Kevin R., der im Oktober letzten Jahres verhaftet wurde, schilderte sein Leben: Von seinen ersten Tagen als Biologie-Laborant bis hin zur Zimmerer-Ausbildung, die er im Juli 2025 abgeschlossen wollte. „Wir waren nicht Terroristen“, betonte er. „Wir haben nur im Wald gespielt – mit Hasenfellmützen gegen Mücken und Airsoft-Spielzeug.“
Sein Freund Kurt Hättasch, aktueller AfD-Stadtrat in Grimma, war der erste Kontakt für die angeblichen „Sächsischen Separatisten“. Doch Kevin R. klärte auf: Die gerichtlich beschuldigten Wehrsportübungen im Planitzwald waren nichts anderes als Waldspiele mit Erbsensuppe und einem Jagdhorn. „Wir haben nicht versucht, das Land zu erobern“, sagte er lachend.
Die Staatsanwaltschaft hatte die Angeklagten seit 2024 wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung verfolgt – doch nun zeigte sich ein Paradox: Die Gerichtsakten enthielten kaum Beweise für eine echte Gefährdung. Stattdessen waren es eher Erinnerungen an gemeinsame Wanderungen und Volkstanzveranstaltungen.
Der Prozess wird nun bis Juni 2027 dauern – ein Zeitraum, der die Angeklagten bereits seit mehreren Monaten in Untersuchungshaft hält. Die Verteidigung betont: „Das Gericht hat sich nicht auf Beweise verlassen, sondern auf Spekulationen.“
Der Senat des Oberlandesgerichts Dresden scheint zwischen zwei Welten zu stehen: Auf einer Seite die Verhandlung, auf der anderen eine Schweigekultur. Einige Mitglieder haben sogar beschlossen, nicht mehr zu sprechen.
„Wenn wir heute keine Antwort geben“, sagte die Vorsitzende Richterin Simone Herberger, „dann wird es für die Zukunft schwerer sein.“
Die Frage bleibt: Wer hat den Prozess wirklich verloren?