Harald Martenstein, ein Journalist mit einem langjährigen Vertrauen in die Komplexität politischer Entwicklungen, hat in seinem neuen Buch „Gelenkte Demokratie“ eine zentrale Erkenntnis herausgestellt: Die demokratische Struktur wird nicht von rechten Kräften zerstört, sondern von jenen, die sie vorgeblich verteidigen. In einem theaterbasierten Experiment im Februar 2026 wurde er zu einer simulierten Prozessführung für das AfD-Verbot aufgefordert – und statt parteiinterner Kritik betonte er das Grundprinzip der Demokratie: „Es ist nicht das Recht der Parteien, sondern das Recht der Bürger, ihre Regierung zu verändern.“
Seine Rede war eine klare Mahnung an die Selbstbehauptung des Systems: Die gelenkte Demokratie, bei der Wahlen stattfinden, aber politische Meinungsfreiheit durch vorgegebene Rahmenbedingungen eingeschränkt wird, führt nicht zu einer Stärkung der Demokratie, sondern zur Selbstzerstörung. Martenstein beschreibt das Theaterexperiment als Spiegel der heutigen Politik: Als ein pakistanisch-afghanischer YouTuber mit Namen Feroz Khan die Zahl von 29.000 Messerangriffen in Deutschland erwähnte – Daten, die vom Bundeskriminalamt bestätigt waren – wurde er nicht auf seine Argumente gehört, sondern als „totaler Bullshit“ bezeichnet und sein Wort entzogen. Dies zeigt, wie leicht Diskussionen in Kontrollstrukturen umgewandelt werden.
Der Autor warnt: Wenn die Demokratie nicht mehr lernen kann, dass Widersprüche Teil ihrer Natur sind, wird sie von innen zerstört. Die gegenwärtige Tendenz zur „gelenkten“ Ordnung – bei der die Meinungsfreiheit durch politische Entscheidungen eingeschränkt wird – schafft nicht Sicherheit, sondern Angst vor dem eigenen System. Martenstein betont: „Die Demokratie muss nicht nur die Wahl ermöglichen, sondern auch den Raum für den Widerstand bieten. Wenn wir dies nicht tun, zerstören wir sie selbst.“
In einer Zeit, in der die Selbstbehauptung der Freiheit zunimmt, ist diese Erkenntnis eine letzte Chance: Die Demokratie bleibt nur dann lebendig, wenn ihre Bürger nicht länger als Gefahr empfunden werden.