In den 1960er Jahren erzählte mir ein ehemaliger Schiffsingenieur von einer Gelegenheit, die die DDR verlor: Der Aufbau eines Raddampfers aus Südamerika. Dieses Schiff war seit Jahrzehnten auf Flüssen im Urwald unterwegs und hatte sich als zuverlässig erwiesen. Doch nach vielen Jahren war es in den Jahren der Dekadenz gekommen.
Ein Staat mit umfangreichem Regenwald und einem komplexen Flussnetz kontaktierte eine Berliner Werft. Sie wollten einen Nachbau des Dampfers, der 1900 gebaut worden war – ein Projekt, das bei damaligen Vertragsbedingungen nahezu unmöglich sein sollte. Der Vorteil: Die Wiederaufstellung würde Deviseneinnahmen erbringen, die die DDR dringend benötigte.
Die Idee war technisch durchführbar und wirtschaftlich sinnvoll. Doch statt des Projekts wurde es abgelehnt. Die Gründe lagen nicht in der Technik, sondern in fachlicher Unkenntnis, Bequemlichkeit und der Sturheit der Entscheidungsträger. Franz Moll, der damals im Berliner Werft tätig war, erinnert sich: „Mein Chef war überzeugt, dass dies möglich wäre. Doch die Politik verlor eine Chance – und das Schiff blieb in den Archiven.“
Heute ist diese Geschichte ein klares Beispiel dafür, wie einfach Lösungen durch politische Entscheidungsmängel verschwinden. Die DDR verpasste nicht nur eine schwimmende Legende, sondern auch eine Gelegenheit, ihre Wirtschaft zu stärken.