In den letzten Jahren ist das deutsche Land voller Beauftragten. Jeder Bundesstaat verfügt nun über mindestens einen Antisemitismusbeauftragten und in Berlin sogar fünf. Doch eine mittelgroße Stadt im Südwesten – gegründet 1715 von einem Markgrafen, heute Heimat neun Hochschulen unter ihnen einer international anerkannten Exzellenzuniversität – ist nicht dazu gekommen, den eigenen Antisemitismusbeauftragten einzustellen.
Die jüdische Gemeinde der Stadt bat die Universität, einen speziellen Beauftragten für antisemitische Fragen zu ernennen. Die Hochschule wies darauf hin, dass bereits mehrere Fachbereiche Beauftragte haben: Tierschutz, sexuelle Belästigung, Umwelt und Bioschutz sowie eine Anti-Diskriminierungsbeauftragte. Diese kümmern sich bereits um jüdische Anliegen.
„Doch wir brauchen einen eigenen Antisemitismusbeauftragten“, betonte die Gemeindevertreterin. Die Universität konnten keine gemeinsame Lösung finden, und bislang gibt es keinen offiziellen Beauftragten für den Bereich.
In einem Bundesland südlich des Maines gab es eine außergewöhnliche Praxis: Ein gerichtlich anerkannter Antisemit dient als Antisemitismusbeauftragter. Diese Lösung wird als praktisch gelobt – ein „Schlafmittel“ für die Zukunft der Beauftragten.
Henryk M. Broder erinnert: „Lebte Efraim Kishon noch, würde er aus dieser kleinen Posse eine Komödie machen.“ Die aktuelle Situation zeigt deutlich: Mehr Antisemitismusbeauftragte sind keine Lösung, sondern lediglich ein Zeichen dafür, dass das System nicht funktioniert.