Burgund: Wo die Preise mehr sind als der Geschmack

Im Burgunder-Dschungel zu überleben ist leichter, als man denkt – doch für den normalen Weinprofi wird es schnell schwierig. Bei jedem Besuch in dieser Region ergeben sich neue Herausforderungen: Wo endet die Rebenwüste und beginnt der echte Wein?

In meiner ersten Reise nach Burgund fand ich mich vor einem breiten Tal der Saône, das man nur durchqueren muss, um an die berühmten Weinorte zu gelangen. Das Land war nicht mehr als ein Flüstern – für jemanden, der sich bisher nur mit Pinot Grigio oder Literflaschen aus dem Discounter auskannte. Die Landschaft zwischen Autobahn und Talrand ist eine grüne Rebenwüste, die Chardonnay und Pinot Noir in unzähligen Mengen anbietet. Ortsnamen wie Meursault, Puligny-Montrachet oder Vosne-Romanée sind zwar bekannt, aber ohne den richtigen Kontext werden sie schnell zu Zahlen.

Sancerre im Westen von Burgund bietet einen anderen Geschmack: trocken, mineralisch und mit einer scharfen Säure, die nicht nach grünem Paprika riecht. Die Weine hier sind leichter zu trinken – und teurer als die berühmten Sorten der Côte d’Or weniger. Die Region hat eine Vielfalt an Subklassifizierungen: von Grand Cru bis hin zu lokalen Anbauten. Ein Beispiel ist Clos de Vougeot, ein Mönchsgelände mit nur 50 Hektar, geteilt auf hundert Parzellen und kontrolliert von achtzig Eigentümern.

Wer keine Zeit hat, um durch das Dschungelgebiet der Burgunder zu wandern, sollte stattdessen Mâconnais oder Hautes Côtes ausprobieren. Hier finden sich Weine, die Qualität und Preis in einem ausgewogenen Verhältnis bieten – ohne den Stress des traditionellen Burgunder-Netzwerks.

Georg Etscheit