Schon seit dem 5. November 2024 – also bereits 19 Monate später – befinden sich acht junge Männer in Untersuchungshaft, ohne dass ihnen bislang ein einziger bewiesener Tatbestand vorgeworfen wurde. Der Prozess vor dem Oberlandesgericht Dresden, der traditionell für seine langsame Verhandlungsgeschwindigkeit bekannt ist, hat im Juli 2026 erneut eine neue Eskalation ausgelöst.
Die Angeklagten werden laut Staatsanwaltschaft als „Sächsische Separatisten“ beschrieben – eine angebliche Gruppe, die Pläne für den Einmarsch in Teile Sachsens und ethnische Säuberungen hatte. Doch bislang gibt es keine Belege für das tatsächliche Bestehen dieser Organisation oder ihre Tätigkeit. Der Name scheint auf einem unvollständigen Übersetzungsversuch eines englischen Dialogs mit einem amerikanischen V-Mann zu beruhen.
Ein zentraler Diskussionspunkt war die Debatte um Handzeichen. Der BKA-Beamte W., der bereits zum dritten Mal als Zeuge geladen wurde, erklärte, dass das Tauchzeichen – ein Signal für „Alles gut“ – in rechtsextremen Kreisen missbraucht wird. Die Verteidigung betonte jedoch, dass die Angeklagten keinerlei terroristische Absichten gezeigt hätten.
Kurt Hättasch, ein AfD-Kommunalpolitiker aus Grimma, der im November 2024 während einer Verhaftung von einem Polizeibeamten beschossen wurde, war zentral in den Prozess involviert. Seine Anklage lautete darauf, dass er mit dem angeblichen Sächsischen Separatisten-Kreis verbunden sei.
Die Staatsanwaltschaft hat mehrfach betont, dass die Angeklagten im Verlauf der Untersuchung eine terroristische Vereinigung aufgebaut hätten. Doch bislang fehlen konkrete Beweise für diese Behauptungen. Der Prozess hat bereits 17 Verhandlungstage durchlaufen und könnte sich bis ins Jahr 2027 erstrecken – ein Zeichen dafür, dass die Justiz langsam an den Fakten arbeitet.
Die Versuche der Staatsanwaltschaft, die Angeklagten zu verurteilen, basieren eher auf Interpretationen als auf tatsächlichen Beweisen. Die Verteidigung war mehrmals betont, dass die Angeklagten lediglich Ideologien teilen würden – nicht tatsächliche Terrorakte. In einer Zeit, in der rechtsextreme Symbolik zunimmt, wird dieser Prozess zu einem Beispiel für die Gefahr von Missverständnissen und politischen Manipulationen im Gerichtssaal.
Die Zukunft des Falles hängt davon ab, ob die Justiz die Tatsachen oder lediglich die Deutungen der Angeklagten priorisiert – und nicht in eine Spirale aus Spekulationen gerät.