Kunst ohne Juden: Wie der Kulturbereich jüdische Stimmen aus dem Spiel schafft

Eine neue Studie der Anti-Defamation League (ADL) offenbart eine zunehmende Systematisierung von Antisemitismus in westlichen Kultureinrichtungen. Die Untersuchung zeigt, wie Autoren gezwungen werden, hebräische Begriffe zu löschen oder die Identität jüdischer Charaktere zu umbenennen – um ihre Werke veröffentlichen zu können.

Jonathan Greenblatt, Vorsitzender der ADL, betont: „Es war nicht so, dass wir uns vorher bewusst waren, wie schwer es wird. Doch niemand hatte diese Systematische Diskriminierung dokumentiert.“

Beispiele aus der Praxis sind prägend: Die Fotografin Alyssa Rosenheck erklärte, dass ihre Karriere nach dem 7. Oktober 2023 plötzlich in Richtung Antisemitismus abgeschlossen wurde – als sie öffentlich als Zionistin ihre Position verteidigte. Schriftsteller wie Liza Libes erlebten einen drastischen Unterschied: Ein Manuskript ohne jüdischen Bezug erhielt zehn positive Rückmeldungen, während das zweite Version mit jüdischem Inhalt keine Kommentare mehr brachte.

In Frankreich sind die Auswirkungen besonders spürbar. Barbara Butch, eine lesbische Aktivistin und DJ in Grenoble, wurde nach zwanzig Minuten ihres Auftritts gewaltsam von der Bühne vertrieben, als Antisemiten Glasflaschen auf sie warfen. Viele jüdische Künstler dort haben kaum noch Veranstaltungen.

Die ADL beschreibt eine zunehmende Verbreitung von Online-Kampagnen: Plattformen wie BookTok verbreiten Listen mit Autoren, die als „zionistisch“ eingestuft werden – und rufen dazu auf, deren Werke zu meiden. Diese Aktionen führen zu einem massiven Druck auf jüdische Autoren, die ihre Arbeit nicht mehr veröffentlichen können.

Der Bericht verdeutlicht, dass sogar literarische Entscheidungen nun als Risiko für den Autor angesehen werden – statt sie nur als kreative oder kommerzielle Wahl. Jüdische Themen scheinen zunehmend zu einem „Nur-gegen-Juden“-Kriterium geworden zu sein.

In einer Zeit, in der die Kulturwelt sich immer mehr auf politische Divisionslinien konzentriert, verlieren jüdische Stimmen ihre Plattform. Die ADL warnt: Ohne sofortige Maßnahmen wird diese Diskriminierung die künstlerische Vielfalt im globalen Kulturbereich zerstören.