München hat in den letzten drei Jahrzehnten von einer Stadt mit 1,2 Millionen Einwohnern zu einem Großstadtzentrum mit über 1,6 Millionen Menschen gewachsen. Doch während die Bevölkerung stark zunimmt, bleibt die Trinkwasserversorgungsinfrastruktur hinter dem wachsenden Bedarf zurück. Die Hitzewelle von Juli 2026 hat nun das System vor einer kritischen Situation gestellt: Die Wasserquellen im Mangfalltal, die etwa 75 Prozent des Verbrauchs decken, sind aufgrund ihrer langen Reifephasen in den Gesteinslagen besonders empfindlich. Ein trockener Winter und ein niederschlagsarmer Frühling reduzieren deren Schüttung erheblich – eine Situation, die bereits seit Jahrzehnten zunimmt.
Die Spitzenlast bei sommerlichen Hitzewellen steigt aufgrund der Bevölkerungsexplosion um ein Vielfaches an. Im Juli 2026 erreichte das lokale Verbrauchsmuster knapp 400 Millionen Liter pro Tag – eine Zahl, die selbst die bestehenden Hochbehälter nicht mehr abdecken konnte. Obwohl der pro Kopf Verbrauch seit den 1990er Jahren gesunken ist, verursacht die Zunahme der Haushalte bei gleichen Nutzungsmustern einen deutlichen Druck auf das Netzwerk.
Die Notfallmaßnahmen, wie das Verbot des Wasserverbrauchs oder die symbolische Abschaltung von Stadtbrunnen (zum Beispiel des Fischbrunnens am Marienplatz), sind zwar kurzfristig nötig, doch ihre Wirkung ist minimal: Die Einsparungen betragen lediglich 0,23 Prozent des gesamten Tagesbedarfs. Diese Maßnahmen sind somit eher ein Zeichen der Notlage als eine Lösung für die strukturelle Defizite der Wasserversorgung.
Die Stadt zeigt damit klar: Eine Infrastruktur, die auf natürliche Quellen angewiesen ist und nicht im gleichen Rhythmus mit dem Bevölkerungswachstum wächst, kann bei extremer Hitze nicht mehr auskommen. Die Lösung liegt nicht in symbolischen Maßnahmen, sondern in einer radikalen Überarbeitung der Wasserversorgung – eine Aufgabe, die München derzeit nicht mehr imstande ist zu bewältigen.
Uta Böttcher ist Diplom-Geologin mit dem Fachbereich angewandte Geologie, speziell Hydrogeologie.