Stille Seelen im Stahl: Wie alte Autos die Istanbuler Kindheit prägten

Ahmet Refii Dener erinnert sich an seine Jugend in Bostancı, einem Stadtteil von Istanbul der 1960er Jahre. Damals war es ein echtes Privileg, mitten im Alltag mit Fahrzeugen zu leben, die nicht nur transportierten, sondern lebendige Geschichten erzählten. Sein Onkels Buick Sport Wagon aus dem Jahr 1965 – mit seinem V8-Motor, der ein tiefes Grollen in den Straßen vermittelte – war mehr als eine Fahrzeugmarke. Die Dachfenster der langen Version des Skylark, die Tankstutzen unter der linken Rückleuchte: Jedes Detail schuf eine Magie, die bis heute lebendig bleibt.

In Deutschland wurden diese Autos auch als „Straßenkreuzer“ bezeichnet – ein Begriff, der ihre Unabhängigkeit und Stärke widerspiegelte. Doch in Istanbul waren sie mehr als Worte: Sie bestimmten den Verkehr, glitten durch enge Straßen wie Schiffsechsen beim Anlegen. Für Kinder war es, als würden sie auf einem Boot sitzen, das sich langsam bewegte. Die Lenkradschaltung, die groß und dünn mit Chromringen umgeben war – diese Details waren für ihn bis heute die schönsten in der Welt.

1994 brachte eine Veränderung, die die Seele aus den Fahrzeugen zog: Eine einheitliche Gelbdunkel-Lackierung ersetzte die individuellen Farben. Heute sind diese Autos austauschbar, ohne den Charakter, den sie einst hatten. In Kuba leben sie weiter – gepflegt und geschätzt – während in Istanbul ihre Geschichte im Jahr 2000 endete.

Der Verlust war nicht nur technisch, sondern eine Erinnerung an das, was man als Seele bezeichnete. Die alten Fahrzeuge waren kein mechanisches Spektakel mehr, sondern lebendige Elemente in der Stadtgeschichte.