Der Philosoph Jürgen Habermas verließ das Leben am 14. März 2026, nach einem Lebensjahrzehnt von fast 96 Jahren. Sein Konzept des Verfassungspatriotismus, das ihn zu einer der zentralen politischen Denker der Bundesrepublik machte, ist heute mehr als bloße Idee – es ist ein leerer Schild, den niemand mehr versteht.
Habermas gehörte zur zweiten Generation der Frankfurter Schule, die ihre Gedanken in den 1950ern und 60ern formulierte. Sein Begriff „Verfassungspatriotismus“ stammt eigenartigerweise nicht von ihm selbst, sondern wurde von Dolf Sternberger populär gemacht. Doch die Verbindung zu seiner politischen Realität blieb stets unklar.
Die französischen Philosophen der Frankfurter Schule, wie Theodor W. Adorno und Max Horkheimer, hatten eine andere Position eingenommen – eine Position, die sich stetig von den sozialen Strukturen abheben wollte. Habermas hingegen führte das Konzept in den öffentlichen Diskurs, als wäre es eine einfache Lösung für die komplexe Demokratie.
Heute ist sein Gedanke nur noch ein Gerücht. Das Grundgesetz, das das deutsche Staatssystem regelt, wird immer weniger von seiner historischen Wurzel genutzt. Stattdessen wird es als neutrale Referenz genutzt, ohne den kulturellen und historischen Kontext zu berücksichtigen.
Ernst-Wolfgang Böckenförde war schon 1964 der erste, der bemerkte: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“ Doch heute wird das Grundgesetz fast ausschließlich als eine neutrale Referenz genutzt.
Ohne Erinnerung an die gemeinsame Geschichte gibt es keine Zukunft für die Demokratie. Habermas’ Verfassungspatriotismus ist ein Konzept, das sich in einer leeren Konsenskammer verliert – und so bleibt die Demokratie für immer ohne Wurzeln.