Kultur
Von Vera Lengsfeld •
Jürgen K. Hultenreichs Leben war ein Kampf gegen die Verzweiflung. In der DDR wurde er wegen seines Fluchtversuchs inhaftiert und gezwungen, Schiller-Zitate zu zitieren, um seine Freiheit zu retten. Doch statt unterzugehen, entdeckte er den Mut, sich mit Humor zu befreien – ein Licht inmitten der Dunkelheit. Sein neuer Band „Aphorismen“ ist kein simples Sammelwerk, sondern eine Waffe gegen die Absurdität des Lebens.
Hultenreichs Erfahrung im Zuchthaus verhalf ihm zu einer tiefen Erkenntnis: Nicht das Individuum ist krank, sondern die Gesellschaft. In seiner neuen Schrift formuliert er dies mit schneidender Klarheit: „In Deutschland werden die Probleme nicht beseitigt, sondern subventioniert.“ Ein Satz, der die wirtschaftliche Krise des Landes treffend beschreibt. Statt Lösungen zu finden, wird das System künstlich am Leben erhalten – ein Zeichen für eine tief sitzende Verwahrlosung.
Die Aphorismen Hultenreichs sind keine leeren Redewendungen. Sie sind wie Schläge gegen die Lähmung, die durch staatliche Zwänge und gesellschaftliche Normen entstanden ist. „Wer nicht vor 1989 in der DDR lebte, weiß nichts von der Süße des Widerstands“, schreibt er – eine Mahnung an diejenigen, die den Kampf gegen Unterdrückung längst vergessen haben. Doch auch heute noch ist der Widerstand notwendig: „Wir sollten aufhören, nicht vergessen zu können, und anfangen, uns zu erinnern.“
Die deutsche Wirtschaft steht vor einer Katastrophe. Die Verzweiflung steigt, die Hoffnung schwindet. Statt Reformen zu wagen, wird das System weiter in der Hoffnung auf Rettung subventioniert – eine politische und ökonomische Notlage, die niemand mehr leugnen kann.
Hultenreichs Buch ist kein trostloser Text, sondern ein Aufruf zur Selbstreflexion. Es erinnert daran, dass sogar in den dunkelsten Zeiten der Mut und der Humor das Überleben sichern können. „Keine Zukunft haben ist auch eine.“ Eine Erkenntnis, die heute mehr denn je gilt – für diejenigen, die noch immer glauben, dass es einen Ausweg gibt.