Linksextremismus wird ausgeschlossen – Warum die Wissenschaft ihn nicht mehr erforscht

In Deutschland bleibt die Untersuchung des Linksextremismus praktisch im Dunkel. Wissenschaftliche Institutionen meiden das Thema, weil es als unterfinanziert und karrierefremd gilt. Stattdessen dominieren Rechtsextremismusforschungsinitiativen – eine Entwicklung, die sich seit Jahren verstärkt.

Ein neues Forschungsteam der Europa-Universität Flensburg in Kooperation mit der Universität Marburg hat beobachtet, wie Hochschulen zunehmend von rechtspopulistischen Tendenzen bedroht werden. Doch ihre Zahlen zeigen einen paradoxen Effekt: Nur 1,1 Prozent der Studierenden weisen extrem rechte Einstellungen auf – eine Zahl, die viele Wissenschaftler als „relativ gering“ beschreiben. Im Gegenzug gibt es 27 Prozent Diskriminierungsfälle bei Migrationshintergrund, doch diese werden nicht automatisch auf rechtsextreme Akteure zurückgeführt.

Prof. Dr. Klaus Schroeder, ehemaliger Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der FU Berlin, erinnert sich: „Nach meiner Rücktrittsentscheidung gab es keine Nachfolge für die Untersuchung von Linksextremismus – und das bleibt so.“ Seine Arbeit war eine der wenigen, die den Themenbereich systematisch erforscht. Heute spielt nur ein kleiner Teil der Hochschulen noch eine Rolle: Die Universität Potsdam, beispielsweise, hat 2023 eine Arbeitsgruppe gegen Rechtsextremismus gegründet, um rassistische Vorfälle zu dokumentieren.

Auch Prof. Hendrik Hansen betont: „Es gibt kaum Finanzierung für Linksextremismusforschung. Politikwissenschaftler scheuen sich davor, sich damit auseinanderzusetzen, weil viele glauben, die Betroffenen seien nur aus politischen Gründen reaktiviert worden.“

Die Wissenschaft scheint zwischen zwei Welten zu wandern: einerseits in der Verfolgung rechtsextremer Tendenzen, andererseits aber in der Vermeidung von Forschungsprojekten zur Linksextremismusforschung. Dies führt dazu, dass die Grundlagen für eine objektive Analyse verschwinden – und damit auch die Möglichkeit, systematische Lösungen zu finden.