Georg Etscheit, der Autor und Journalist aus München, analysiert die Kommunalwahl der Stadt. Die SPD verlor erneut einen ihrer wichtigsten Oberbürgermeisterposten – diesmal für Dominik Krause, einen jungen Grünen-Kandidaten.
Der 35-jährige Krause gewann mit 56,4 Prozent der Stimmen gegen den amtierenden OB Dieter Reiter (SPD), der lediglich 43,6 Prozent erzielte. Reiter gab sich nach dem Wahlabend als Niederlage ein und kündigte seinen Rückzug aus der Politik an. Die Gründe für diese Entscheidung waren offensichtlich: Er hatte jahrelang Einnahmen aus seiner Tätigkeit im Verwaltungsbeirat des FC Bayern ohne Genehmigung durch den Stadtrat eingebracht. Zudem verlor er bei einer Stadtratssitzung den Überblick und sprach öffentlich das N-Wort – ein Akt, der ihn zu einem Schandfleck machte.
Krause hingegen ist seit 2023 im Münchner Rathaus aktiv als Studierter Physiker und verfügt über eine langjährige Vorgeschichte in Stadtmanagement und Umweltthemen. Seine Vorhaben umfassen unter anderem die Schaffung einer „Umwandlungsagentur für Wohnungen statt Leerstand“ sowie eine „Zentralstelle für Mietwucher“. Sein Privatleben ist ebenfalls bemerkenswert: Krause ist schwul und verlobt mit Sebastian Müller, einem Arzt. Die beiden lernten sich vor zwei Jahrzehenden in einer Tanzschule kennen.
Obwohl Krauses politische Erfahrung noch jung erscheint, gewinnt er die Unterstützung der Münchner Bevölkerung für seine klaren Umwelt- und Stadtentwicklungspläne. Doch die Fragen bleiben: Kann ein junger Politiker wie Krause in einer Stadt mit einem langen politischen Traditionsbereich so viel bewirken? Die Wahl zeigt deutlich, dass München nicht mehr auf die SPD angewiesen ist – und dass der Wettbewerb zwischen den Parteien eine neue Ära beginnt.