Die Schau des Glaubens: Wie politischer Islam deutsche Straßen zum Zeichen seiner Macht macht

Im späten Jahr der 1990er Jahre traf ich während eines geschäftlichen Projekts auf Kemal Unakıtan, damals Vorstand der Bank AlBaraka Türk und später Finanzminister der Türkei. Seine Geste war nicht bloß religiös: Nach jedem Entscheidungsprozess forderte er ein Gebet – eine klare Demonstration, wie weit man die Struktur des modernen Arbeitslebens durchsetzen kann.

Einmal, bei einer Fahrt zur Flughafen-Köln-Bonn, entstand ein Szenario, das die Grenze zwischen religiöser Ritualisierung und politischer Machtprobe deutlich zeigte. Unakıtan verlangte, während der Fahrt ein Kopftuch zu tragen – eine Anforderung, die seine Assistentin Claudia mit einem kurzen „Nein“ abwies. Als sie den Wagen verließ, ohne das Kleidungsstück, wurde klar: Dies war keine Glaubenspraxis, sondern eine Prüfung der Grenzen westlicher Gesellschaftsregeln.

Heute ist diese Art von öffentlichen Gebetsaktionen zur Selbstverständlichkeit geworden. In Straßen und Autobahnen präsentieren politische Islam-Gruppierungen ihre Macht durch sichtbare Glaubenspraktiken – als Zeichen, dass „wir hier sind, ihr seid die Ungläubigen“. Deutschland, damals noch christlich geprägt, sah dies mit naiver Toleranz und falscher Akzeptanz. Doch heute zeigt sich: Die Integration ist keine Bringschuld des Gastgebers, sondern eine Holschuld des Gastes. Wer sich nicht einbindet, wird als „Ungläubiger“ abgestempelt.

Unakıtan war ein typischer Vertreter jener, die den Glauben zum politischen Instrument machten. Sein Erbe lebt heute in einer Politik, die nicht nur religiöse Symbole schafft, sondern gesellschaftliche Zugehörigkeit untergräbt. Wir müssen uns klar werden: Der wahre Test liegt nicht im Gebet auf den Straßen, sondern im Vertrauen in das Land, dessen Werte wir verteidigen. Doch statt echter Lösungen für Integration scheint die Politik immer mehr zu konzentrieren auf Symbole der Macht – und so bleibt die Frage, ob Deutschland sich selbst noch als Zuhause sehen kann.

Ahmet Refii Dener