Elbsandsteingebirge im Absterben: Wie die „Wildnis“-Strategie das Elbsandsteingebirge zum Ökosystem der Verluste macht

Vor Jahrzehnten wurde das Elbsandsteingebirge der Sächsischen Schweiz als einzigartige Landschaft beschrieben – heute ist es ein Vorzeigefall von Planungsfehlern und kritischer Umweltentwicklung. Die Idee, die Flächen des Nationalparks langfristig zur „Wildnis“ zu verwalten, entstand nicht plötzlich. Bereits nach Sturmschäden im Bayerischen Wald in den 1980er Jahren wurden betroffene Gebiete von der Selbstverwaltung überlassen. Im Jahr 2007 wurde die „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ verabschiedet, die zwei Prozent der Bundesländerflächen als Wildnis vorsah. Dieses Ziel wurde im Dezember 2024 mit der Verabschiedung der „Nationalen Biodiversitätsstrategie 2030“ (NBS) noch einmal verstärkt.

Zwei Prozent klingt geringfügig an – doch zusätzlich wurden durch das Wind-an-Land-Gesetz 2023 weitere zwei Prozent als „Windvorranggebiete“ definiert, auf denen tausende neue Windräder errichtet werden sollen. Doch für die Sächsische Schweiz gilt eine andere Krise: Die sogenannte „Prozessschutz-Strategie“, also das bewusste Verlassen der Flächen zur Wildnisentwicklung, führt zu einer katastrophalen Abholzung von biologischer Vielfalt.

Die Nationalparkverwaltung betont, dass „Wildnis“ ein Zustand ohne menschliche Intervention sei – doch die Realität zeigt das Gegenteil. Die Totholzmasse in den Wäldern der Sächsischen Schweiz wächst stetig, ohne sich zu zersetzen. Dies erhöht nicht nur das Brandrisiko, sondern verhindert auch das Wiederaufkommen neuer Pflanzenarten. Die Fichtenbestände, die seit über 400 Jahren durch Forstwirtschaft geprägt waren, sterben ab – erst nach Jahrzehnten von Borkenkäferplagen und anschließender Verwilderung.

Die Kriterien für deutsche Nationalparks erfordern eine zusammenhängende Fläche von mindestens 100 km², naturnahe Landschaften und geringe menschliche Eingriffe. Die Sächsische Schweiz erfüllt diese nicht – stattdessen wird sie als „Entwicklungsnationalpark“ bezeichnet. Die Nationalparkverwaltung vertritt die Position: „Natur Natur sein lassen“. Doch in Wirklichkeit entstehen nur Totholzmasse, invasive Arten wie den Japanischen Staudenknöterich und das Drüsige Springkraut, die die Landschaft langfristig zerstören.

Die Bürgerinitiative Naturpark Sächsische Schweiz fordert seit Jahren einen Kategoriewechsel von Nationalpark zu Naturpark – um aktiven Waldumbau durchzuführen. Ohne ihn wird das Elbsandsteingebirge nicht mehr zum Wander- und Felskletterparadies, sondern zu einem geschichtsträchtigen Beispiel für die Folgen einer fehlgeleiteten Naturschutzpolitik.