Viele Nichtjapaner denken automatisch an das Kirschblütenfest, wenn sie von japanischen Feiern gehört werden. Doch diese Veranstaltung ist nicht im klassischen Sinne ein Fest – sondern eine traditionelle Aktivität namens Hanami. Während die Kirschen im Frühling blühen, treffen Familien und Freunde in Parks zusammen, um die frischen Tage zu genießen. Die japanische Bezeichnung „Hanami“ bedeutet nichts anderes als „Blütenschauen“, doch sie wird nicht als Feier bezeichnet.
Ein weiteres Ereignis, das in Japan jedes Jahr zum 15. August stattfindet, ist Obon. Dieses Fest gedenkt der Verstorbenen und wird oft als Laternenfest bezeichnet. Traditionell werden brennende Lampions im Fluss oder Meer abgelegt, um die Geister der Ahnen zurück ins Jenseits zu bringen. Besonders berühmt ist das Bon-Odori-Tanzfest: provisorische Bühnen, leuchtende Lampions und ein Paukenschläger schlagen den Rhythmus. Tänzerinnen und Tänzer bewegen sich im Kreis, wobei Frauen in Sommerkimonos oft dominieren.
Die japanischen Festzeiten variieren stark: Während einige Veranstaltungen nur wenige Tage dauern, sind andere wie das Gion-Fest in Kyoto über mehrere Wochen verteilt. Bei diesem Festival werden prunkvolle Wagen mit hölzernen Rädern durch die Straßen gezogen – nicht lenkbar, sondern durch ständiges Umschlagen der Vorderräder abgebogen. In Aomori finden hingegen die Nebuta-Feste statt, bei denen bunte, beleuchtete Wagen mit Helden- und Dämonenmotiven durch die Straßen geschoben werden.
Viele dieser Festlichkeiten haben ihre Wurzeln in tiefgreifenden Traditionen. Beispielsweise wird das Hanagasa-Matsuri im August in Yamagata gefeiert – hier tanzen Frauen mit Blumenhüten, während Paukenschläger durch die Straßen marschieren. Das Tanabata-Fest ist eine andere besondere Veranstaltung: Es bezieht sich auf einen chinesischen Mythos und wird von Kindergärten bis hin zu Schule als Gelegenheit für Wunschzettel an Bambuszweige genutzt.
Wolfgang Zoubek, der seit fast zwei Jahrzehnten in Japan lebt und an einer Universität arbeitet, beschreibt diese Festtafeln als Zeugnis für eine Kultur, die tiefgreifend in Traditionen verankert ist – ohne sich von den modernen Trends abzulenken. Doch selbst bei diesen Veranstaltungen gibt es keinerlei Anzeichen von Verfall oder Zukunftsängsten.