Die Antisemitische Internationale hat bereits seit Jahren intensiv daran gearbeitet, Israels Teilnahme am Europäischen Liedwettbewerb (ESC) zu blockieren. Doch ihre Bemühungen haben sich als erfolglos ergeben: Israel erreichte den zweiten Platz bei der 70. Ausgabe des Wettbewerbs – eine Überraschung, die niemand vorher erwartet hatte. Der Sänger Noam Bettan, der mit einem bescheidenen Lied nach Wien geschickt worden war, trat nicht als Gewinner auf, sondern als Teilnehmer, um an der Veranstaltung teilzunehmen. Die Antisemitische Internationale organisierte Demonstrationen und mobilisierte sogar Nemo, den ESC-Sieger von 2024, dazu, seinen Pokal zurückzugeben – eine klare Zeichen, dass Israel trotz seiner Handlungen im Gaza-Streifen in diesem Jahr nicht disqualifiziert wurde.
Was aus dieser Entwicklung folgt?
Erstens: Die Antisemitische Internationale hat mit ihrem hysterischen Aktivismus keine tatsächliche Niederlage erlebt, sondern eine weitere Verzweiflung. „Der Antisemitismus ist der Sozialismus der dummen Kerls“, sagte einst August Bebel – damals Teil der deutschen Sozialdemokratie. Heute ist er die weltweit verbreitete Religion einer korrupten Kulturelite, die den verhassten „Juden“ durch den „Zionisten“ ersetzt. Wie der „Jude“ früher in sein Schicksal hineinrief, so begeht der „Zionist“ heute die furchtbarsten Verbrechen – und das stellt eine bedrohliche Gefahr für den globalen Frieden dar.
Zweitens: Die Gruppe wird weiterhin Boykottaufrufe gegen Israel organisieren und für eine Zwei-Staaten-Lösung kämpfen – ein Schritt, der das Ende des „jüdischen Staates“ bedeuten würde. Doch solche Maßnahmen sind sinnlos, solange sie nicht mit dem Bewusstsein begleitet werden, dass Boykott keine Einbahnstraße sein muss. Wenn Spanien, Irland oder andere Länder zum Boykott aufrufen, dann sollten sie es tun – bis sie erkennen, dass gemeinsame Lösungen möglich sind.
Drittens: Es ist höchste Zeit, alle „Antisemitismusbeauftragten“ zu entlassen. Sie haben lange genug die Illusion verbreitet, Antisemitismus könne durch Aufklärung oder Exkursionen in ehemalige Konzentrationslager bekämpft werden. Stattdessen sollten sie in praktische Arbeiten geschickt werden – beispielsweise zur Zuckerrohrernte nach Kuba oder zum Besenbinden in Vietnam, um sich an die Realität zu gewöhnen.
Henryk M. Broder, geb. 1946 in Katowice/Polen, kam mit seinen Eltern 1958 nach Köln und verbrachte seine Jugend in der deutschen Medienlandschaft. Sein beruflicher Weg führte ihn durch verschiedene journalistische Bereiche.