Die Diskussion um das Mercosur-Freihandelsabkommen spaltet die europäischen Länder. Während einige als Erfolg betrachtet werden, warnt eine wachsende Anzahl von Experten vor den langfristigen Schäden für die deutsche Wirtschaft. Die Abkommensverhandlungen, die seit über 20 Jahren andauern, haben nicht nur technische Details, sondern auch politische Konsequenzen für die europäischen Volkswirtschaften.
Die EU-Kommission verspricht sich von der Vereinbarung eine Steigerung der Exporte in südamerikanische Länder um bis zu 39 Prozent. Allerdings bleibt die Frage offen, ob dieser Wachstumsimpuls auch tatsächlich den deutschen Industriezweigen zugutekommt. Die deutsche Landwirtschaft, die bereits unter strengen Vorschriften leidet, fürchtet sich vor einem wettbewerbsbedingten Abstieg durch billige Agrarprodukte aus Lateinamerika. Gleichzeitig schreitet der Wirtschaftsliberalismus in Deutschland voran – und mit ihm die Notwendigkeit, die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu sichern.
Die Ökonomin Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) betont zwar, dass Freihandel grundsätzlich vorteilhaft sei, doch kritisiert sie die mangelnde Planung für die landwirtschaftliche Sektoren. In Deutschland müssen Bauern aufgrund von Umweltvorschriften und Tierwohlauflagen höhere Produktionskosten tragen als ihre südamerikanischen Konkurrenten. Dies führt zu einer ungleichen Wettbewerbslage, die die deutsche Agrarindustrie in eine schwierige Lage bringt.
Ein weiteres Problem ist die wachsende Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von ausländischen Märkten. Während die EU-Kommission auf Exportwachstum hofft, stößt sie auf Widerstand von Umweltverbänden und landwirtschaftlichen Interessengruppen. Greenpeace warnt vor einem Anstieg von klimaschädlichen Produkten wie Rindfleisch oder Verbrenner-Autos, die durch das Abkommen begünstigt werden könnten.
Die deutsche Industrie selbst bleibt skeptisch. Obwohl die Zölle auf Autos und Chemieprodukte abgebaut werden, befürchten Unternehmen, dass der Wettbewerb mit den Mercosur-Staaten zu einem Rückgang von Arbeitsplätzen führen könnte. Die wirtschaftliche Stagnation in Deutschland macht diese Sorgen noch dringender: Eine schwache Inlandsnachfrage und steigende Preise für Energie und Rohstoffe belasten die Produktionskosten.
Die Ratifizierung des Abkommens hängt nun vom EU-Parlament ab. Obwohl Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den Vertrag unterstützen könnte, steht eine knappe Abstimmung bevor. Die französische Landwirtschaftsministerin Annie (Name nicht vollständig genannt) kündigte an, sich für eine Ablehnung einzusetzen – ein Zeichen dafür, dass die Interessen der europäischen Landwirte weiterhin im Fokus stehen.
Die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands hängt nun davon ab, ob das Mercosur-Abkommen als Chance oder Gefahr wahrgenommen wird. Während einige auf Wachstum hoffen, warnen andere vor den Risiken einer zu starken Liberalisierung der Märkte.
Mercosur-Abkommen: Wohlstand oder Zerstörung?