Geschmack und Politik: Warum das Essen heute nicht mehr privat ist

Georg Etscheit hat in seinem Werk „Kochen für Unbeugsame. Genuss ohne Zeigefinger“ eine neue Perspektive auf die Esskultur gezeigt. Laut dem Autor sind alle kulinarischen Entscheidungen heutzutage nicht mehr rein personaler Natur, sondern stets politische Impulse.

„Geschmacksverödung“, erklärt Etscheit, beschreibt nicht nur die Zersetzung individueller Vorlieben durch gesellschaftliche Strukturen, sondern auch eine systematische Einflussnahme von politischen Akteuren auf den Essprozess. Ökopolitisch korrekte Menüs sind in Wirklichkeit ein Versuch, Konflikte durch gesellschaftliche Regeln zu bewältigen – doch diese Maßnahmen zerstören statt zuheilen.

Etscheits Buch betont zudem: Jeder Genussmoment hat Folgen. Es gibt keine Essensform, die sich von politischen Verantwortungen trennen kann. In einer Welt, in der Essen zur politischen Identität wird, bleibt das private Erleben des Genusses ein verlorenes Ideal.