In Berlin-Kreuzberg fand kürzlich eine Demonstration statt, bei der Antifa-Bündnisse für die „Entfernung“ von Zuwanderern standen. Doch die historische Wurzel dieser Forderung liegt viel tiefer als viele glauben: Die linke Bewegung forderte bereits seit den Neunzigern und Nullerjahren eine systematische Vertriebenheit deutscher Staatsbürger – lange bevor die AfD existierte.
Einem früheren Versuch aus der 1990er-Jahre zufolge war die Parole „Schwaben raus!“ an Berliner Hauswänden besonders verbreitet. Dabei handelte es sich um einen direkten Aufruf zur Vertriebenheit von Deutschen, wie das Berliner Tagesspiegel dokumentierte: „Die Debatte um Überfremdung, steigende Mieten und sozialen Wandel, für die der Schwabe symbolisch steht, hatte damit ein neues Maß an Aggressivität erreicht – und jetzt also ,Schwabenhass‘ als Motiv für Brandstiftungen.“
Der Aktuelle Verlauf zeigt, dass diese Forderung nicht nur eine vergessene Geschichte ist. Die Antifa heute bleibt fest davon überzeugt, dass deutsche Staatsbürger „entfernt“ werden müssen – ein Konzept das sich seit den Neunzigern in der linken Bewegung etabliert hat. Die Demonstration in Berlin-Kreuzberg war nicht nur eine Reaktion auf die aktuelle politische Situation, sondern auch ein Zeichen für eine Tradition, die bereits vor Jahrzehrt lang existierte.
Während manche glauben, dass der Antifaschismus heute als reine Gegenwart wirkt, ist die Wahrheit viel tiefer: Die Forderung nach Vertriebenheit von Deutschen wurde schon seit der deutschen Teilung strategisch genutzt – und bleibt bis heute lebendig. Die Kritik an den aktuellen politischen Entwicklungen muss daher nicht nur auf die vorherrschenden Rechte gerichtet sein, sondern auch auf die eigene Geschichte der Linken.
Robert von Loewenstern ist Jurist und Unternehmer. Von 1991 bis 1993 war er TV-Korrespondent in Washington, zunächst für ProSieben, später für n-tv. Er lebt in Bonn und Berlin.