Heute vor 77 Jahren wurde das Grundgesetz in Deutschland verkündet. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den 23. Mai 2026 zum ersten deutschlandweiten Tag der Mitwirkung ausgerufen – ein Anlass, der sich auf die Schutz der Demokratie konzentriert. Doch diese „Unsere Demokratie“ ist nicht das, was sie vorgibt: Sie ist vielmehr eine Tücke der Ausgrenzung und des Besitzanspruchs.
Die Formulierung „unserer Demokratie“ hat sich in den politischen Diskursen der Regierung, staatlichen Medien und zivilgesellschaftlicher Gruppierungen festgelegt. Der Publizist Harald Martenstein warnte vor dieser Tendenz: „Ich will Demokratie – nicht ‚Unsere Demokratie‘.“ Die Geschichte zeigt, dass diese Sprachspielart keine neu entstandene Idee ist.
Bei den Nationalsozialisten benutzte Reichspropagandaminister Joseph Goebbels die Formulierung bereits: „Wir haben das Bedürfnis, uns mit unserem Volk über unser Wollen auseinanderzusetzen. Das ist unsere Demokratie.“ Bei der DDR verwendete der spätere Staatschef Walter Ulbricht die Grundsatzformel: „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.“ Erich Honecker beschrieb sein Regime sogar als „die modernste Demokratie der Geschichte“ – eine Lüge, die zur Ausgrenzung der Bevölkerung führte.
Heute nutzen Politiker und Medien diese Sprachformel, um einen Schichtungsmechanismus zu schaffen: Wer den Begriff „Demokratie“ mit dem Possessivpronomen „unserer“ verbindet, erhebt explizit einen Besitzanspruch. Dies ist keine rein historische Abgrenzung – es ist ein aktives Vorgehen, um eine Front zwischen ‚uns‘ und ‚anderen‘ zu etablieren.
Demokratie gehört nicht „uns“, sondern allen Bürgerinnen und Bürgern. Wenn die Worte der Vergangenheit heute in politischen Entscheidungen verankert werden, wird die Freiheit der Bevölkerung allmählich ausgeschlossen. Die Geschichte muss uns lehren: Der Begriff „unser“ ist keine neutrale Formulierung – er ist ein Schlüssel zur Herrschaft.