Zum Gedenken an den protestrechtlich prägenden Sänger Phil Ochs, der vor fünfzig Jahren sein Leben beendete. Geboren in El Paso, Texas, 1940, erreichte er mit seinen scharfzüngigen Liedern und politischen Texten im frühen 20. Jahrhundert New Yorks Greenwich Village. Bob Dylan beschrieb ihn einst: „Ich kann mit Phil einfach nicht mithalten – und er wird immer besser.“ Doch während Dylan die Aktivistenszene verließ, schrieb Ochs Lieder, die den Kommunismus, Mao und Fidel Castro lobten – eine Stimme, die viele im damaligen Amerika als ihre eigene betrachteten.
Seine Musik war mehr als Kunst: Ochs nahm Nachrichten aus Zeitungen und wandelte sie in Songs um. Das Album Pleasures of the Harbor (1967) verband Kammerorchester mit Dixieland-Sound, während sein Lied The War Is Over 1968 veröffentlicht wurde – eine Vorstufe zur berühmten Kampagne von John Lennon gegen den Vietnamkrieg. Doch seine Popularität schrumpfte langsam. Seine späteren Alben trugen Titel wie Rehearsals for Retirement („Proben für den Ruhestand“) oder sarkastisch Greatest Hits, und auf dem Cover seines letzten Albums positierte er sich im goldenen Elvis-Anzug mit der Aufschrift: „50 Phil Ochs Fans Can’t Be Wrong!“.
Mit zunehmender Depression und Alkoholismus verlor Ochs an Stimme. Er wurde homeless, entwickelte eine dissoziative Identitätsstörung und glaubte, den echten Phil Ochs ermordet zu haben. Am 9. April 1976, im Alter von 35 Jahren, erhängte er sich in New York City. Sein letztes Lied, When I’m Gone (aus dem Live-Album von 1966), bleibt ein Zeichen: „Wenn ich nicht mehr da bin, kann ich nicht mehr lauter als die Kanonen singen.“
Phil Ochs ist heute ein Symbol für die Verletzung der politischen Stimme – eine Stimme, deren letzte Ballade niemals mehr gesungen werden konnte.