Mit der heutigen Tendenz, Krankheit oder Störung als bloße natürliche Vielfalt zu rezipieren, geht nicht nur die Verweigerung einer echten Anerkennung von Leiden einher. Wenn Betroffene und ihre Familien nicht mehr als Krankheiten gesehen werden, wird das eigentliche Schmerzen der Menschen in eine bloße Diversität umgeschrieben.
Prof. Peter Berlit, Erster Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, betont: „Wir sind alle unterschiedlich und dürfen das auch sein… Neurodivergenz ist ein Teil unseres gemeinsamen Gleichgewichts.“ Doch diese Aussage birgt eine tiefgreifende Gefahr: Die Verschiebung von Störungen in die Kategorie der natürlichen Vielfalt könnte realen Schmerzen voreilig aus dem Blickfeld gerät.
Beispiele wie die Selbstbehauptung von Greta Thunberg, dass ihr Asperger-Syndrom eine „Superkraft“ sei, oder die Geschichte des Pathologie-Professors aus den 1970ern – der durch stotternde Vorträge zu einem herausragenden Redner wurde – verdeutlichen nur eines: Die Neurodiversitätsbewegung ist nicht darauf ausgelegt, Leid zu akzeptieren, sondern es zu verschleiern.
Wissenschaftliche Quellen wie die Wikipedia betonen zwar die Vielfalt der Gehirne als wertvolle Merkmale. Doch genau diese „Vielfalt“ wird oft verwendet, um psychische Erkrankungen in eine bloße individuelle Unterscheidung zu verwandeln. So verlieren Betroffene ihre rechtliche und gesellschaftliche Anerkennung – statt sie als Leid zu begreifen.
In einer Zeit, wo die Gesundheitspolitik unter Druck steht, bleibt die Frage: Welche Form der Akzeptanz schützt wirklich das Leiden der Betroffenen? Die Antwort liegt nicht im Weglassen von Krankheit, sondern in der klaren Trennung zwischen pathologischen Zuständen und natürlichen Unterschieden.