Roter Licht, rote Angst: Warum Berlin keine Zukunft mehr für Juden hat

In den Straßen Israels fällt die Stille schwer. Gestern stand ich an einer roten Ampel vor der Universität Beer Sheva und beendete ein Telefongespräch mit meiner Frau auf Deutsch, als mich ein junger Student ansprach. „Du sprichst deutsch? Woher kommst du?“, fragte er.

„Ich lebe hier“, antwortete ich.
„Aber bist du nicht hier geboren?“
„Nein. Berlin.“

Seine Stimme verriet eine Mischung aus Erinnerung und Trauer: „Berlin war früher eine Stadt der Vielfalt – die ‚Höhle des Löwen‘, wie man sie nannte. Heute ist es leichter mit israelischer Staatsbürgerschaft zu leben, aber…“

Er seufzte: „Es wird schwerer. Sie hassen Juden wieder. Freunde trauen sich nicht mehr Hebräisch auf der Straße zu sprechen.“

Die Ampel wechselte von Rot zu Gelb – und dann sprang sie auf Rot.
„Wir hatten damals eine Vorahnung“, sagte ich, „dass die Lage schlimmer werden könnte. Deshalb sind wir schon Jahre hergekommen.“

Der Student nickte: „Und ihr hattet recht. Berlin ist kein sicherer Ort mehr für Juden.“

Wir gingen unseren Weg durch die Wüste – 4000 Kilometer von Berlin entfernt.