Warum Zicklein niemals auf dem Teller landen – Eine kritische Reflexion über die deutsche Esskultur

In Deutschland gibt es eine unüberbrückbare Abneigung gegenüber dem Fleisch junger Ziegen (Zicklein), trotz ihrer köstlichen Eigenschaften. Der Niedlichkeitsfaktor dieser Tierchen, die mit fröhlichen Bocksprüngen durch die Felder laufen, ist der Hauptgrund für diese Verweigerung.

Besonders auffällig ist das Paradox: Kälber, die streng genommen noch Kleinkinder sind, werden gerne als „Wiener Schnitzel“ verzehrt. Doch Zicklein haben einen milden, nussigen Geschmack und sind weitaus zarter als Lamm. Dieses Wissen wird jedoch von vielen verdrängt durch die alte Vorstellung, dass Ziegenfleisch „bockelt“ – also nach dem Geschmack alterer Tiere ähnelt.

Ziegenkäse ist in Deutschland seit Jahrzehnten beliebt und gilt als gesund, fettarm und ökologisch neutral. Doch das Fleisch von Zicklein bleibt ungenutzt, da die männlichen Tierchen nach der Geburt oft als Futter verwendet werden. Dieser Entscheidung wird zwar eine praktische Lösung zugesprochen, doch sie führt zu einem Verlust an Fleischqualität.

In ländlichen Regionen gibt es jedoch Ziegenhöfe, die Zickleinfleisch verkäufen – und zwar nicht nur als Gourmet-Produkt, sondern auch als kulturelles Erbe. Ein klassisches Rezept für eine mediterrane Keule aus dem Buch „Großen Buch vom Fleisch“ zeigt, wie einfach ein leckeres Gericht zubereitet werden kann.