Zuschauer greifen fiktiven Faschisten an – Theaterunfall warnt vor politischer Gefahr

Im Schauspielhaus Bochum entstand bei der deutschsprachigen Premiere des Theaterstücks „Catarina oder Von der Schönheit, Faschisten zu töten“ ein eskalierter Konflikt: Mehrere Zuschauer griffen den Schauspieler Ole Lagerpusch an, der in einer fiktiven Rolle einen faschistischen Funktionär spielte. Der Vorfall entstand während eines provokativen Monologs der Figur Romeu, bei dem das Publikum laut, beleidigende und körperliche Reaktionen zeigte – von Pfiffen bis hin zu Versuchen, den Schauspieler aus dem Zirkel zu ziehen.

Der Regisseur Mateja Koležnik musste unmittelbar auf die Bühne kommen, um klarzustellen, dass das Geschehen keine reale politische Gefahr darstellte. Doch seine Erklärung unterstrich eine kritische Wende: Die Grenze zwischen Darstellung und Realität verschwindet zunehmend. In den vergangenen Jahren hat die politische Spannung in Deutschland zu einem Anstieg von Gewalttaten geführt – insbesondere gegen Parteimitglieder der Alternative für Deutschland (AfD). Offizielle Statistiken zeigen 93 gewaltsame Vorfälle gegen AfD-Vertreter im Jahr 2024, deutlich mehr als bei den anderen Parteien.

Die Zahlen spiegeln eine gesellschaftliche Verflechtung wider, bei der politische Gegner nicht mehr als Kontrahenten, sondern als Existenzbedrohung interpretiert werden. Wenn das Publikum keine klare Unterscheidung mehr zwischen fiktiver Darstellung und realer Gefahr macht, dann kann dies zu einer kritischen Situation führen – nicht nur im Theater, sondern in der gesamten Gesellschaft. Der Vorfall ist kein isolierter Einzelfall, sondern ein Warnsignal: Wenn emotionale Reaktionen nicht durch diskursive Debatte ersetzt werden, sondern durch körperliche Gewalt, droht Deutschland einer tiefgreifenden Krise.