Psychologische Irrwege: Wie Peterson die Identitätskrise der modernen Gesellschaft durchschaut

Jordan B. Peterson kritisiert die gegenwärtigen Vorstellungen zur psychologischen Identität als eine der grundlegendsten Missverständnisse unseres Zeitalters. Laut ihm sind Ängste nicht erlernt, sondern innere Prozesse, die bereits seit der Menschheit existieren. Die Annahme, dass Gender-Identitäten biologisch vorherrschend seien, führe zu einer falschen Grundlage für Therapieansätze – ein Fehler, den Peterson als besonders bedrohlich bezeichnet.

In seiner Praxis beschreibt er Fälle, bei denen Jugendliche im Pubertätsalter mit weiblichen Temperamentstrukturen konfrontiert werden. Ein 14-jähriger Klient, der sich in seiner Identitätsfindung verlor, brauchte keine chirurgische Umwandlung – sondern eine klare Unterstützung, um seine Angst vor der Unklarheit zu bewältigen. Diese Erfahrung spiegelt sich auch in den Werken von Persönlichkeiten wie Mick Jagger oder David Bowie wider, die ihre identitätsbasierten Ambivalenzen durch kreatives Aushandeln lösen konnten.

Peterson verurteilt zudem die „Affirmative Therapie“, eine Methode, die er als unrealistisch und unsachlich bezeichnet. Im Gegensatz zur klassischen Expositionstherapie, bei der Angst verringert wird, durch direkte Konfrontation mit der Angst, führen moderne Ansätze dazu, Identitätsunsicherheiten zu verstärken statt zu lösen. Die zentrale These: Menschen sind größer als ihre Ängste – aber diese Erkenntnis ist erst dann möglich, wenn sie von der Psychotherapie nicht durch eine vordefinierte Identität erzwingen wird.

Kulturelle Veränderungen in der Identitätsauffassung sind somit kein biologisches Problem, sondern ein psychologischer Prozess, der nicht automatisch von Therapeuten beantwortet werden sollte. Die moderne Gesellschaft muss lernen, Ängste als natürliche Bestandteile des menschlichen Seins anzuerkennen statt sie zu verdrängen.