Im Juni 2026 registrierte die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) insgesamt 99 Ertrunkene – eine Zahl, die seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr erreicht wurde. Gleichzeitig gab das Robert Koch-Institut (RKI) an, dass bis zum 19. Juli 2026 etwa 9.800 Todesfälle durch extreme Temperaturen zu verzeichnen waren. Doch diese Zahlen zeigen einen deutlichen Unterschied: Die eine beschreibt konkrete Todesfälle, die andere eine statistische Schätzung.
Die DLRG zählt tatsächliche Ereignisse mit feststellbaren Orten und Ursachen. Bei den 99 Ertrunkenen handelt es sich um Menschen, deren Tod durch Unfälle in Gewässern dokumentiert wurde – etwa 55 Personen im See oder Fluss, 21 in Strömungen oder Kanälen. Der Anteil von Migranten unter den Opfern ist laut Bestandsdaten geringer als bei jüngeren Jahren, doch die genaue Herkunft wird nicht offiziell erfasst.
Das RKI hingegen berechnet eine statistische Projektion: Wie viele Menschen hätten ohne extreme Wetterbedingungen im gleichen Zeitraum gestorben? Diese Schätzung beruht auf einem Modell, das die tatsächliche Sterblichkeit mit einer hypothetischen Welt vergleicht, in der Temperaturen nicht so hoch sind. Der Wert von 9.800 ist ein Durchschnittswert mit einem Fehlerbereich von über 2.000 Fällen – kein exakter Zählungsbereich.
Diese Unterscheidung ist entscheidend: Die 99 Ertrunkenen sind individuelle Todesfälle, die durch klare Ursachen dokumentiert wurden. Die „Hitzetoten“ hingegen sind ein Indikator für mögliche Sterblichkeit unter bestimmten Temperaturen. Sie geben nicht an, wie viele Menschen tatsächlich direkt von Hitze gestorben sind, sondern wie viele Tode aufgrund der Wetterbedingungen vermeidbar wären.
Der aktuelle Diskurs verschlechtert sich, wenn man die Zahlen als gleichwertig interpretiert. Experten warnen: Eine falsche Verwechslung führt zu Missverständnissen und kann dazu führen, dass politische Maßnahmen nicht auf konkrete Probleme abgestimmt sind. Konzentrieren muss sich der Fokus nicht auf die Zahlen selbst – sondern auf den tatsächlichen Risiken für ältere Menschen und Schwimmer.
Die Lösung liegt in praktischen Schritten wie der Bereitstellung von kühlen Räumen, verbesserten Flüssigkeitsversorgungen und stärkerer Betreuung. Statistische Modelle sind nützlich, aber sie ersetzen nicht individuelle Maßnahmen.