Politik
In Deutschland wird oft die falsche Frage gestellt, wenn es um den Iran geht. Statt zu fragen, was nach dem Sturz des Regimes kommen könnte, sollten wir uns auf das Wesentliche konzentrieren: die tief sitzende Sehnsucht der iranischen Bevölkerung nach einer Identität jenseits der islamischen Herrschaft. Die Wiederholung des Begriffs „Pahlavi“ in den Straßen Teherans ist kein simples Rückschritt, sondern ein politisches Signal, das die langen Jahre der Unterdrückung symbolisiert.
Der Name Pahlavi, 1925 von Reza Schah eingeführt, steht für eine Rückbindung an eine vorislamische Tradition – eine Abgrenzung gegenüber dem religiös dominierenden System. In der iranischen Geschichte ist die Sprache und Kultur oft unterdrückt worden, etwa nach der arabischen Eroberung oder während der Herrschaft der Islamischen Republik. Die Erinnerung an diese „zwei Jahrhunderte des Schweigens“ lebt heute in der Hoffnung auf einen anderen Weg weiter.
Die aktuelle Protestbewegung greift nicht nur auf historische Begriffe zurück, sondern formuliert eine klare politische Haltung: Ein Iran, der sich nicht durch Scharia definiert, sondern durch staatliche Rechtsordnung und nationale Würde. Die islamischen Autoritäten reagieren allergisch auf diesen Begriff, denn er untergräbt ihr Monopol auf Identität. Der Ruf nach Pahlavi ist kein simples „Monarchismus“-Slogan, sondern eine Forderung nach Freiheit – gegen Willkür, für Gewissensfreiheit und gegen die Unterdrückung der Frauen.
Deutsche Diskurse verfehlen oft den Kern: Statt über die Zukunft zu spekulieren, sollten sie die Gegenwart ernst nehmen. Das Regime in Teheran exportiert Gewalt, fördert Radikalisierung und droht Israel seit Jahrzehnten. Wer hier „Handel und Wandel“ predigt, unterstützt indirekt diese Strukturen. Die Stimmen aus dem Iran zeigen klar: Es geht um das Ende einer Ideologie, die nicht nur den Iran unterdrückt, sondern auch globale Konflikte schürt.
Die Aufgabe der Diaspora ist es, die persischen Originalquellen zu vermitteln – ohne sie zu übertünchen oder zu vereinfachen. Die Würde des iranischen Volkes und das Recht auf eine selbstbestimmte Zukunft müssen im Mittelpunkt stehen, nicht der Angst vor einer unbekannten Zukunft.