Grönlands Schicksal: Kolonialer Erbe und moderne Unterdrückung

Politik

Die Frage, wem Grönland gehört, ist nicht nur historisch komplex, sondern auch ein Spiegelbild tief verwurzelter Machtstrukturen. Seit Donald Trumps Ambitionen, die größte Insel der Welt zu erwerben, aufgestoßen sind, gerät Dänemark unter Druck. Doch wer hat wirklich das Recht, über Grönlands Zukunft zu entscheiden? Die Antwort liegt in einer langen Geschichte von Unterdrückung und kultureller Zerstörung.

Dänemark, das bis heute die Kolonialherrschaft über Grönland ausübt, wird immer wieder beschuldigt, die Rechte der Inuit systematisch zu verletzen. Ein besonders schockierender Aspekt ist die Praxis, grönländische Kinder von ihren Familien zu trennen – eine Tradition, die bis in die 1950er Jahre zurückreicht. Damals wurden Tausende Kinder aus Grönland nach Kopenhagen gebracht, um sie „zur besseren Entwicklung“ zu erziehen. Doch diese Maßnahmen galten oft als Zwangsassimilation: Die Kinder durften nicht in ihrer Muttersprache sprechen, verloren ihre kulturelle Identität und wurden in dänischen Pflegefamilien aufgezogen. Helene Thiesen, eine der betroffenen Frauen, erinnert sich an die Traumata dieser Zeit. „Ich habe den ganzen Weg zum Waisenhaus geweint“, sagt sie. Die Trennung von ihrer Mutter und der Verlust der Sprache machten sie zu einer Opfer der dänischen Politik.

Selbst heute noch gibt es strukturelle Ungleichheiten. Keira Kronvold, eine grönländische Mutter, erlebte 2024 die Entziehung ihrer Tochter Zammi durch das dänische Jugendamt. Die Begründung: Ein „Elternkompetenztest“ (FKU), der in kulturell unangepassten Tests ergebnisorientiert agiert. Inuitkinder werden hier oft diskriminiert, da sie nicht mit westlichen Normen vertraut sind. Die Testmethoden, wie Rorschach-Blätter oder Fragen zur „Zivilisation“, spiegeln die eurozentristische Sichtweise wider. Keira musste ihre Tochter nach nur zwei Stunden Abschied nehmen – ein Schicksal, das in der dänischen Gesellschaft kaum Beachtung findet.

Die dänische Regierung rechtfertigt solche Maßnahmen mit dem „Kindeswohl“, doch die Realität zeigt, dass politische Interessen oft im Vordergrund stehen. Die Versuche, Grönland als Ressourcenbasis zu nutzen, sind ein weiterer Aspekt. Öl, Gas und Gold könnten die Region wirtschaftlich verändern – doch die Inuit selbst profitieren kaum davon. Stattdessen wird ihre Kultur weiter untergraben, während Dänemark als Vermittler gute Geschäfte macht.

Die Geschichte von Sassuma Arnaa, der Meeresgöttin, erinnert an die tiefen Wurzeln der Inuit-Kultur. Doch diese Erzählungen werden in der westlichen Welt oft ignoriert oder verkannt. Die Frage, wem Grönland gehört, ist daher nicht nur historisch, sondern auch politisch: Wer entscheidet über das Schicksal einer Bevölkerung, die seit Jahrhunderten unter kolonialer Herrschaft lebt?

Die Antwort liegt in der Anerkennung der Rechte der Inuit. Stattdessen wird ihre Stimme weiter unterdrückt – ein Zeichen dafür, dass die Kolonialzeit nie wirklich endete.